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Begegnung südliches Afrika: Arbeit und Leben global gedacht

Gemeinsam mit dem Dokumentations- und Kooperationszentrum Südliches Afrika (SADOCC) startet die GPA ab April das Weiterbildungs- und Dialogprojekt “Begegnung südliches Afrika. Arbeit und Leben global gedacht”, in dem sich GewerkschafterInnen, AktivistInnen sowie politisch Interessierte aus Österreich, Südafrika, Namibia, Zimbabwe und Mozambique zu Arbeits- und Lebensbedingungen austauschen und sich gemeinsam der Frage stellen: Wie schaffen wir global mehr soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit?
SADOCC

Globalen Zusammenhängen auf den Zahn gefühlt 

Was haben südafrikanischer Wein in österreichischen Regalen oder Platin in unseren Autos mit prekären Arbeitsverhältnissen und sozialer Ungleichheit zu tun? Und warum geht uns das etwas an? Auf den ersten Blick scheinen diese Themen nicht viel miteinander zu tun zu haben. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch: die meisten Produkte in unseren Supermärkten und Haushalten sind Teil internationaler Lieferketten und haben damit direkt und indirekt Auswirkung auf die Arbeits- und Lebensverhältnisse in Ländern des Globalen Südens. Und: Auch wenn sich die Herausforderungen von Beschäftigten je nach lokalem Kontext unterscheiden, verbindet uns doch meist mehr, als man denkt. In dem zweijährigen Projekt des Globalen Lernens sollen diese meist unsichtbaren Verbindungen mit Fokus auf die Region des südlichen Afrikas gemeinsam erörtert und greifbar gemacht werden. 

Seminare und Workshops: Fallbeispiele zu Weinbau, Rohstoffen und informeller Beschäftigung

In Seminaren und interaktiven Workshops von ExpertInnen und lokalen AktivistInnen werden anhand von konkreten Fallbeispielen in den drei Themenfeldern Weinbau und –handel, Platin- und Rohstoffabbau sowie informelle Beschäftigung Zusammenhänge zwischen internationalem Handel, kolonialer Vergangenheit und regionalen Arbeits- und Lebensbedingungen aufgezeigt. Aber auch bestehende Gegeninitiativen werden besprochen: Gemeinsam mit den Partnerorganisationen in den vier Schwerpunktländern werden beispielsweise eine Kampagne zum Bedingungslosen Grundeinkommen in Namibia, die Bestrebungen der Gewerkschaften im südafrikanischen Weinsektor, Aktivismus im Bereich Platinabbau oder die Empowerment-Strategien von Frauengruppen in Mozambique präsentiert. Daraufhin können sich die österreichischen Teilnehmenden in Dialoggruppen mit Beschäftigten, GewerkschafterInnen und AktivistInnen aus Südafrika, Namibia, Zimbabwe und Mozambique über digitale Medien vernetzen, um „first hand“ etwas vom Lebens- und Arbeitsalltag, täglichen Herausforderungen und Bewältigungsstrategien der anderen zu erfahren. Durch eine Art Brieffreundschaft 2.0 können sie virtuell in die Lebenswelt der jeweils anderen reisen, sich per Video über Erfahrungen austauschen, voneinander lernen und gemeinsam Strategien für besseres Arbeiten und Leben weltweit diskutieren.  

Ein Achterl Ungerechtigkeit

Für eine Flasche südafrikanischen Wein zum Beispiel kann man sich den Gang ins Spezialitätengeschäft sparen. Um zwei Euro bekommt man einen solchen Genusswein schon im Discounter. Das ist viel günstiger als die meisten regionalen Weine, obwohl die Exoten eine halbe Weltreise hinter sich haben. Den Preis dafür zahlen die SupermarktkassierInnen hier im Discounter, aber auch die Beschäftigten auf den Weinfarmen - in Form von niedrigen Löhnen und geringem Arbeitsschutz. 

Gar nicht edel: Ressourcenabbau und Ausbeutung am Beispiel Platin

Ähnlich gestaltet es sich beim Handel mit Platin und anderen Rohstoffen. Kaum ein Mensch in Österreich kommt nicht täglich mit Platin in Berührung, wenn auch meist unbewusst. Das Edelmetall wird bei uns beispielsweise als Bestandteil von Smartphones, Medikamenten oder in Katalysatoren und Rußpartikelfiltern für reine Luft verwendet. Südafrika und Zimbabwe gehören zu den drei größten Platinexporteuren, doch obwohl Platin eines der teuersten Edelmetalle weltweit ist, reichen die Löhne der MinenarbeiterInnen kaum zum Überleben. Zudem leidet aufgrund fehlenden Arbeitsschutzes ihre Gesundheit und mit spätestens 40 Jahren wird man aufgrund der Folgen jahrelanger harter Arbeit wegen Arbeitsunfähigkeit entlassen. Während also Mensch und auch Umwelt leiden, profitieren multinationale Konzerne wie BASF und Co. 

Prekäre Arbeit/Prekäres Leben: ein weltweites Phänomen

Eine weitere Auswirkung der bestehenden Weltwirtschaftsstrukturen und des Drucks auf ArbeitnehmerInnen ist das hohe Maß an informeller Arbeit: nach Schätzungen sind im südlichen Afrika bis über 80% der Menschen in der “Schattenwirtschaft” beschäftigt.  Egal ob Marktverkäuferin, Putzkraft oder landwirtschaftlicher Saisonarbeiter, informelle oder atypische Beschäftigung heißt in der Regel: Kein fixes Arbeitsverhältnis, kein fixes Einkommen, keine Absicherung. Für die meisten informell Arbeitenden besteht jedoch keine Alternative – ein Problem, das auch viele atypisch Beschäftigte in Österreich kennen.

Feierlicher Auftakt mit Heinz Fischer und diversen ReferentInnen

Zum feierlichen Auftakt zum Projekt laden GPA und SADOCC am Montag, 28.03.2022 ab 15 Uhr ein. Neben Grußworten von RednerInnen wie Altbundespräsident Heinz Fischer wird es diverse Kurzvorträge und Interviews von ExpertInnen und lokalen ProjektpartnerInnen geben. Im Open Space können sich die BesucherInnen detaillierter zu den Schwerpunktthemen informieren und in den Austausch kommen. Für das Wohlergehen ist außerdem mit simbabwischer Musik, südafrikanischem Wein und Snacks gesorgt.

Mitmachen

Das Projekt richtet sich an alle, die Interesse haben, sich neben ihrem Alltag weiterzubilden, über den Tellerrand zu schauen und hinter die Kulissen von Lieferketten zu schauen. Die Teilnahme ist kostenlos. Vorwissen und besondere Kenntnisse werden nicht benötigt, Englischkenntnisse sind jedoch von Vorteil. Beim Besuch von zwei Seminaren kann ein Teilnahmezertifikat ausgestellt werden.

Interesse? Hier kann man sich weiter informieren und für das Projekt und die Auftaktveranstaltung anmelden: oder per Mail an dialogprojekt@sadocc.at

Einladung
Auftaktkonferenz, 28.03.2022, 15-19 Uhr, in der GPA und online via Zoom