Europa: Leben und Arbeiten während der Corona-Krise

Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) hat im Februar und März 2021 die dritte Runde ihrer elektronischen Umfrage durchgeführt. Die Ergebnisse werfen ein Licht auf die soziale und wirtschaftliche Situation der Menschen in ganz Europa, nachdem sie fast ein ganzes Jahr mit den COVID-19-Einschränkungen gelebt haben. Im Bericht werden die drängendsten Probleme genauer analysiert, die im Laufe der Pandemie aufgetaucht sind.
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10% mehr Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorkrisenniveau

Ein Jahr nach den ersten Lockdowns in Europa und den zahlreichen damit einhergehenden vorübergehenden Schließungen von Betrieben geben 10 % mehr der Befragten an, nun arbeitslos zu sein. Dies bedeutet einen Anstieg gegenüber der Situation im Sommer 2020 (8%) um zwei Prozentpunkte und doppelt so viel wie im Frühjahr 2020 (5%). Junge Menschen im Alter von 18-29 Jahren haben dabei am ehesten ihren Arbeitsplatz verloren: 17 % sind derzeit arbeitslos, verglichen mit 9 % der über 30-Jährigen.

Angst vor Arbeitsplatzverlust wieder angestiegen

Gleichzeitig stieg die Arbeitsplatzunsicherheit unter denjenigen an, die einen Job haben. Sie hielten es für "sehr wahrscheinlich" oder "eher wahrscheinlich", dass sie ihren Arbeitsplatz in den nächsten drei Monaten verlieren würden. Diese Unsicherheit war zu Beginn der Pandemie am stärksten ausgeprägt (33%), verbesserte sich bis zum Sommer 2020 aber deutlich (24%) und verschlechterte sich wieder mit den Lockdowns im Frühjahr 2021 (26%). Die Arbeitsplatzunsicherheit im Frühjahr 2021 war bei allen Geschlechtern und Altersgruppen relativ ähnlich.

Schlechtere Work-Life-Balance für Frauen mit kleinen Kindern

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde erneut bestätigt, besonders bei Elternteilen mit kleinen Kindern. So gaben 39% der Frauen mit Kindern unter 12 Jahren, die von zuhause arbeiten, an, nach der Arbeit immer oder meistens zu müde zu sein, um Hausarbeiten zu erledigen. In derselben Gruppe bei den Männern liegt dieser Anteil hingegen bei 24%.

Rückgang des psychischen Wohlbefindens in allen sozialen Gruppen

Die Ergebnisse der Eurofound-Befragung zeigen einen generellen Rückgang des psychischen Wohlbefindens in der EU. Diese Verschlechterung ist besonders deutlich bei denjenigen zu erkennen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, ist bei den 18-34-jährigen im Vergleich zum Sommer 2020 von 47% auf 64% angestiegen. Bei den 35-49-jährigen von 47% auf 60% sowie bei den über 50-jährigen von 38% auf 53%. Die Werte sind nicht nur im Vergleich zum Sommer 2020 stark angestiegen, sondern auch spürbar höher als in der ersten Lockdownphase im Frühjahr 2020.

Zufriedenheit mit Corona-Maßnahmen und Vertrauen in Regierungen zurückgegangen

Die Zufriedenheit der EU-BürgerInnen mit den Maßnahmen zur Krisenbekämpfung bzw. den ausfallbedingten Kompensationsleistungen ist stark gesunken: Nur noch 12 % empfinden die Unterstützungsmaßnahmen als angemessen, im Sommer 2020 waren es hingegen noch 22%. Die Anzahl derjenigen, die denken, dass Unterstützungsangebote niederschwellig und leicht zugänglich sind, fiel ebenfalls von 16% im Sommer 2020 auf 10% im Frühjahr 2021. Bei fast jedem/r zehnten Befragten wurde ein Antrag auf finanzielle Unterstützung abgelehnt.

Das Vertrauen in die nationalen Regierungen ist von 4,6 Punkten im Sommer 2020 auf 3,9 Punkte im Frühjahr 2021 gefallen und sank über alle Mitgliedstaaten hinweg unter das Vorkrisenniveau. Auch das Vertrauen in die EU ist gesunken, das dennoch höher bleibt, als jenes in die nationalen Regierungen.