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Frauen in den Fokus – Gender Equality Week 2022

Von 24.-30. Oktober findet die European Gender Equality Week zum dritten Mal im Europäischen Parlament und in weiteren Institutionen statt. Dabei beschäftigen wir uns mit der Gleichstellung von Frauen und Männern durch verschiedene Blickwinkel und tragen zur Sichtbarkeit von Frauen bei - sei es durch Ausstellungen, Diskussionen, Filmvorführungen und vielem mehr.
Regner 2022
Luiza Puiu

Doch warum ist es mir wichtig, dass die Gender Equality Week stattfindet?

Die Gleichstellung der Geschlechter berührt jeden Aspekt unseres Lebens, von der Art und Weise, wie wir unsere Zeit verbringen, unser Umgang miteinander und wie wir von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Und auch wenn feministische VorkämpferInnen und ArbeiterInnen bereits viel geleistet haben, ist die Ungleichbehandlung von Frauen leider noch Teil unserer Realität – das müssen wir ändern.

Um das verändern zu können, braucht es eines: Sichtbarkeit und verbindliche Maßnahmen. Unsere Wünsche, Ideen und Probleme müssen Platz und Gehör finden, wir müssen unser Wissen austauschen – diese Ziele verfolgt die Gender Equality Week. Und diese Ziele sind es auch, die mich in meiner politischen Arbeit als Frau und Gewerkschafterin immer begleitet haben und es weiterhin tun. Daher habe ich, als wir wegen Covid den internationalen Frauentag 2020 absagen mussten, die erste Gleichstellungswoche ins Leben gerufen. Seitdem findet sie jährlich in der letzten Oktoberwoche statt.

Die Ungleichbehandlung von Frauen in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich in den vielen „gaps“. Seit mehr als 60 Jahren ist gleiche Bezahlung für alle in europäischen Verträgen verankert, dennoch sind wir weit davon entfernt. Laut EIGE, dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen, verdienen Frauen im EU-Durchschnitt 14,8 % weniger als Männer. In Österreich liegt die Lohnschere bei 19% und wir liegen somit EU-weit an der traurigen Spitze. Die Schließung der Lohnschere zwischen Frau und Mann ist ein besonders wichtiges Anliegen. Dafür setze ich mich als Schattenberichterstatterin für Lohntransparenz ein - eine Richtlinie, die mehr Transparenz, mehr Einbindung der Gewerkschaften und eine Stärkung aller Beschäftigten fordert.

Auch im Gender Care Gap gibt es viel zu tun. Laut EIGE leisten 92 % aller erwachsenen Frauen in der EU täglich unbezahlte Pflegearbeit, verglichen mit 68 % der Männer. Dieser starke Unterschied sorgt zum Beispiel dafür, dass viele Frauen nicht Vollzeit arbeiten können. Blicken wir auf bezahlte Pflegearbeit – ein Niedriglohnsektor – sind 9 von 10 der bezahlten Kräfte in der Sorgearbeit (Kinderbetreuung, Pflege, etc) Frauen. Es ist ein Sektor, der unverzichtbar ist, aber von der Gesellschaft unterbewertet wird. Angesichts des wachsenden Bedarfs und der zentralen Rolle müssen wir jetzt handeln – weshalb die EU-Kommission im September die EU-Pflegestrategie präsentiert hat.

Mit der Gender Equality Week wollen wir zeigen, was wir im Europäischen Parlament gegen die Ungleichheit der Geschlechter tun können und müssen und wie wir zur Sichtbarkeit von Frauen in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft insgesamt beitragen. Das ganze Programm (auf Englisch) findest Du hier.

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) unterstützt uns tatkräftig dabei und macht heuer ebenfalls viele Sitzungen zu den vielen Aspekten des Gender Mainstreaming. Denn das Thema ist überall!