industriAll Europe Kongress

Am 1. und 2. Juni fand der dritte Kongress unserer IndustriearbeitnehmerInnengewerkschaft industriALL Europe statt

industriALL European Trade Union ist die Stimme von rund 7 Millionen arbeitenden Frauen und Männern aus 180 Gewerkschaften in 38 Ländern entlang der Lieferketten in der verarbeitenden Industrie, im Bergbau und im Energiesektor in ganz Europa. Diese wurden wiederum von 667 TeilnehmerInnen am Kongress repräsentiert.

Die Gewerkschaft GPA war dieses Mal in Person von Reinhard Streinz (VS WB 01/BRV Voestalpine Stahl), Johann Forstner (VS WB 02/BRV Miba), Georg Grundei, dipl. (Wirtschaftsbereichssekretär) und Karl Dürtscher (Bundesgeschäftsführer) vertreten.

Ursprünglich war der Kongress für 2020 in Thessaloniki geplant. Die Pandemie zwang uns damals, den Kongress zu verschieben. Obwohl die COVID19-Maßnahmen sich in Europa zum Zeitpunkt der Terminfindung für den Kongress nach wie vor sehr unübersichtlich gestalteten, konnte statutengemäß nicht länger zugewartet werden; somit entschied das Executive Committee sich letztlich, die Veranstaltung online abzuhalten.

Dieses neue Format des Kongresses war für alle Beteiligten eine Herausforderung! Genauso waren allerdings die letzten Jahre für die Aktiven bei industriALL Europe alles andere als einfach oder gemütlich.

Wir sahen uns seit langem mit enormen Verzerrungen im Stahlsektor konfrontiert, die letzten Jahre verstärkt mit großen Problemen und Unsicherheiten im Automobilsektor und spannenden, aber heiklen Entwicklungen betreffend der europäischen Vereinheitlichung in der Eisenbahnzulieferindustrie. industriALL Europe kam in diesen Bereichen die große Aufgabe zu, die EU-Politik in die richtige Richtung zu lenken und mit Feingefühl, Weitblick und der nötigen Härte Maßnahmen und Strategien aufzuzeigen und einzufordern, wie mit den Produzenten in Europa, aber vor allem mit den großen Wirtschaftsmächten in Amerika und Asien, allen voran China und USA umzugehen ist.

Diese Bemühungen mündeten durchaus in Erfolgen, etwa im aktuellen Entschluss, die wesentlichen bestehenden Handelsschutzinstrumente, zusätzlich zu den neu beschlossenen CO2- Grenzabgaben im Stahlbereich aufrecht zu erhalten. Dem waren europaweite Aktionstage, Stahlaktionspläne und eine große Demonstration unter beachtlicher Beteilung der Gewerkschaft GPA vorangegangen.

Es geht aber munter weiter. Die Dekarbonisierung der Wirtschaft, der europäische Green Deal und das aktuelle „Fit for 55“-Klimapaket sind essenzielle Schritte, die allerdings so gestaltet werden müssen, dass die ArbeitnehmerInnen dabei nicht auf der Strecke bleiben. Nur eine starke Interessensvertretung in Brüssel kann hier die notwendige Aufarbeitung, Koordinierung, Interessenbündelung und permanente Einforderung entsprechender Maßnahmen gewährleisten. Dafür war es wichtig, das „Haus“ entsprechend zu bestellen bzw. den RepräsentantInnen das nötige Mandat zu verleihen. Dies ist auf dem Kongress passiert.

Der Kongress bestätigte Luc Triangle als Generalsekretär, Isabelle Barthès und Judith Kirton-Darling als stellvertretende Generalsekretärinnen und Michael Vassiliadis als Präsidenten von industriAll Europe.

Luc Triangle hat das Amt des Generalsekretärs von industriALL Europe seit 2016 inne und war von 2012-2016 deren stellvertretender Generalsekretär. Davor war er Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsverbandes Textil, Bekleidung und Leder (2011-2012) und hatte verschiedene Positionen in der belgischen Metallgewerkschaft ACV inne. Isabelle Barthès arbeitete seit 1996 für den Europäischen Metallgewerkschaftsbund (EMB). Dort und später als leitende politische Sekretärin von industriALL Europe war sie für eine Reihe von wichtigen Politikbereichen verantwortlich, insbesondere für Unternehmenspolitik sowie Tarif- und Sozialpolitik. Im Juli 2020 wurde Isabelle Barthès vom Exekutivausschuss der Organisation zur stellvertretenden Generalsekretärin von industriALL Europe ernannt. Judith Kirton-Darling war britische Abgeordnete des Europäischen Parlaments für den Nordosten Englands (2014-2020). Davor war sie in der Labour- und Gewerkschaftsbewegung aktiv. Sie wurde 2011 zur Bundessekretärin des Europäischen Gewerkschaftsbundes gewählt und arbeitete davor für die Europäische Föderation der Bergbau-, Chemie- und Energiegewerkschaften (EMCEF) und den EMB. Im Juli 2020 wurde sie vom Exekutivausschuss der Organisation zur stellvertretenden Generalsekretärin von industriALL Europe ernannt. Michael Vassiliadis ist der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und hat das gewählte Amt des Präsidenten von industriALL Europe seit 2012 inne.

Unter diesem Team leisteten die ExpertInnen und SekretärInnen von industriALL Europa bis jetzt gute Arbeit und wir sind zuversichtlich, weiterhin eine starke paneuropäische ArbeitnehmerInnenvertretung in Brüssel zu haben.

Neben den Personalbestellungen wurden diverse Anträge beschlossen, wobei aus Sicht der Gewerkschaft GPA hervorzuheben ist, dass die Gruppe der Angestellten besondere Berücksichtigung fand.

„Wir begrüßen es also sehr, dass im Strategiepapier immer wieder auf die Arbeitsbedingungen der TelearbeiterInnen Bezug genommen wird und dass die Angestellten auch im Fokus der Organisierungsbemühungen von industriALL liegen“, schloss ich in meinen unterstützenden Kommentar am Kongress.

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass es trotz der enormen Heterogenität der Mitgliedsorganisationen und der Schwierigkeit, solch komplexe Angelegenheiten über eine Onlinekonferenz zu behandeln, gelungen ist, im Rahmen des Kongresses ein Gefühl von Solidarität und Einigkeit herzustellen, das mit einer gewissen Zuversicht auf kommende Herausforderungen blicken lässt.

(Autor: Georg Grundei, dipl. Wirtschaftsbereichssekretär)

Hier gibt’s mehr Infos zum Kongress