Klimakrise

Nach den nur wenig erfolgreichen COP26 Verhandlungen in Glasgow, ist zumindest das Thema Klimakrise wieder in aller Munde. Die Geschlechterperspektive ist dabei in den verschiedenen Bereichen der Umweltpolitik von großer Bedeutung. Die Geschlechterbeziehungen zwischen Frauen und Männern sowie Mädchen und Burschen spielen eine Schlüsselrolle für den Zugang zu und die Kontrolle über Umweltressourcen sowie die von ihnen bereitgestellten Güter und Dienstleistungen. Es handelt sich also hier um eine zutiefst soziale Frage der Verteilungsgerechtigkeit mit Genderaspekt im weltweiten Kontext.

Die Bedeutung der Geschlechterfrage für Umweltthemen wird seit Anfang der 1970er Jahre diskutiert, als sich die wachsende Debatte über Umweltveränderungen mit dem Aufkommen von Studien über die Rolle der Frau in der Entwicklung und entwicklungspolitischen Strategien innerhalb der internationalen Frauenrechtsbewegung überschnitt. In diesem Zusammenhang bezeichnete die Vierte Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Peking (1995) die Umwelt als einen von zwölf kritischen Bereichen für Frauen. Darin heißt es, dass "Frauen eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung nachhaltiger und ökologisch vertretbarer Konsum- und Produktionsmuster und Konzepte für die Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen zukommt".

Denn wir wissen: aufgrund ihrer meist schwächeren sozioökonomischen Position sind Frauen anders und manchmal stärker vom Klimawandel betroffen als Männer. Andererseits haben Frauen tendenziell einen kleineren ökologischen Fußabdruck und schlagen andere Lösungen für den Klimawandel vor als Männer. Frauen produzieren in der nördlichen Hemisphäre täglich circa 7 kg weniger CO2 als Männer, was auf ihre Transport- und Konsumentscheidungen zurückzuführen ist. Frauen sind stärker von Energiearmut betroffen - insbesondere alleinerziehende Mütter - und nutzen viel mehr öffentliche Verkehrsmittel.

Das Konzept der Klimagerechtigkeit zielt nicht nur darauf ab, auf diese Unterschiede aufmerksam zu machen. Es schärft auch das Bewusstsein dafür, dass der Klimawandel nicht nur ein technisches oder wirtschaftliches Problem ist, sondern das Leben der Menschen beeinflusst. Folglich gibt es unter den Befürworter:innen von Klimagerechtigkeit auch Gruppen, die sich auf die geschlechtsspezifischen Aspekte des Klimawandels konzentrieren. Diese Gruppen wollen die politischen Entscheidungsträger:innen davon überzeugen, eine geschlechtersensible Politik zum Klimawandel zu entwickeln. Hier könnten sie Hand in Hand mit den Gewerkschafter:innen arbeiten, die mit ihrem Fokus auf einen sozial gerechten Übergang im Rahmen der Bekämpfung des Klimawandels, in dieselbe Kerbe schlagen. Insbesondere, wenn es zur Frage des Ersatzes von wegfallenden Arbeitsplätzen kommt, wären Lösungen denkbar, die die fundamentale Ungerechtigkeit unserer Gesellschaften adressieren und Scheren schließen.

In dieser Hinsicht könnte die aktuelle Situation als Chance genutzt werden: angesichts der enormen Auswirkungen der Pandemie, insbesondere auf Frauen, sollten wir jetzt sicherstellen, dass unsere Politik darauf eingeht und dass die Mittel für den Wiederaufbau in allen Sektoren geschlechtsspezifisch und nachhaltig (sozial sowie ökologisch) ausgerichtet sind. In diesem Rahmen kommt die Frage der „care economy“ auf. Sprich einer Wirtschaftsstruktur in der die Pflege von Menschen (von der Geburt bis zum letzten Atemzug, in Bildung und Gesundheit vor allem) in den Mittelpunkt gestellt wird. Das Wohlbefinden der Menschen mehr zählt als das BIP – mit massiven positiven Effekten für Mensch und Natur, wenn wir es nur bald und unter Berücksichtigung von Gleichstellung und sozialer Gerechtigkeit umsetzen.