Namibia: Gerechtigkeit für die Beschäftigten von Shoprite

Shoprite betreibt mehr als 2.800 Filialen mit über 140.000 MitarbeiterInnen in 15 Ländern Afrikas und ist damit der größter Lebensmittelhändler des Kontinents. Seit mehreren Jahren geht das Unternehmen mit ungesetzlichen, ausbeuterischen und gewerkschaftsfeindlichen Methoden gegen seine Beschäftigten und deren betriebliche Vertretungen vor. Nachdem Forderungen der Belegschaft nach Lohnerhöhungen und besseren Arbeitsbedingungen erneut nicht anerkannt wurden, traten die MitarbeiterInnen mit 21.12.2020 in den Streik.

Shoprite geht seit Jahren repressiv gegen Gewerkschaften vor und verhindert sozialen Dialog auf Unternehmensebene

2014 hat das Unternehmen, ohne vorherige Verhandlungen mit der Belegschaft, einseitig minimale Lohnerhöhungen angekündigt. Diese hätten jedoch nur an jene Beschäftigten ausbezahlt werden sollen, die keine Gewerkschaftsmitglieder waren. Um Lohnerhöhungen zu erhalten, sollten die MitarbeiterInnen laut Management aus ihrer Gewerkschaft austreten. Erst nach zweitägigen Streikhandlungen und dem Einschalten nationaler Arbeitsbehörden willigte Shoprite ein, die Lohnerhöhung allen Beschäftigten auszubezahlen.

Im Juni 2015 reichte die Belegschaft erneut einen Verhandlungsvorschlag für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen bei der Shoprite-Geschäftsführung ein. Abermals weigerte sich das Unternehmen, überhaupt darüber zu verhandeln. Daraufhin beschlossen die Beschäftigten im Juli 2015 abermals in den Streik zu treten. Erst nachdem der stellvertretende namibische Arbeitsminister versicherte, sich um die Missstände bei Shoprite zu kümmern, wurde der Streik beigelegt. Das Unternehmen hat daraufhin 176 Beschäftigte, die sich am Arbeitskampf beteiligt hatten, entlassen.

Hungerlöhne und zahlreiche Verstöße gegen geltende Arbeitsgesetze

Seither hat Shoprite auch eine Vielzahl an Verstößen gegen das namibische Arbeitsgesetz begangen und seine unfairen und ausbeuterischen Geschäftspraktiken fortgesetzt. So werden beispielsweise Beschäftigte über Teilzeitarbeitsverträge mit schlechteren Konditionen angestellt, obwohl sie permanent wöchentliche Normalarbeitszeit leisten. Das Unternehmen spricht außerdem ohne transparente Grundlagen willkürlich Abmahnungen aller Art gegen seine Beschäftigten aus.

Die durchschnittlichen Monatslöhne bei Shoprite liegen zwischen 1200-2500 namibischen Dollar (N-Dollar), was in etwa 67-140 Euro entspricht. Der landesweite Durchschnittslohn in Namibia beträgt hingegen 6000 N-Dollar, ca. 170 Euro. Die Beschäftigten von Shoprite zählen damit zur Gruppe der „working poor“. Der Geschäftsführer des Unternehmens hingegen hat im letzten Jahr ein Grundgehalt von knapp 50 Mio. N-Dollar (ca. 2,8 Mio. Euro) sowie einen Bonus von 50 Mio. N-Dollar erhalten.

Shoprite-Beschäftigte erkämpfen im Streik Lohnerhöhungen und Zulagen

Niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen sowie die anhaltenden Verstöße gegen geltende Arbeitsgesetze haben dazu geführt, dass die Beschäftigten mit 21.12.2020 abermals zu streiken begannen. Gemeinsam mit der Gewerkschaft NAFAU (Namibia Food and Allied Workers Union) forderte die Shoprite-Belegschaft ein Einstiegsgehalt von 2.500 N-Dollar (140 Euro) monatlich, eine allgemeine Gehaltserhöhung von 600 N-Dollar (ca. 30 Euro) sowie zusätzliche Unterstützungsleistungen für Wohn- und Pendelkosten. Das Unternehmen hingegen bot den MitarbeiterInnen lediglich eine Gehaltserhöhung von ca. 100 N-Dollar, was etwa 5,6 Euro entspricht.

Nach einer Einigung zwischen der Gewerkschaft NAFAU und dem Unternehmen kehrten die Beschäftigten am 25. Jänner zu ihren Arbeitsplätzen zurück. Gemäß der Vereinbarung erhalten die Beschäftigten eine Lohnerhöhung von 250 N-Dollar (14 Euro) pro Monat bzw. wird die geforderte Lohnuntergrenze von 2500 N-Dollar monatlich eingeführt. Darüber hinaus konnte man sich auf Gehaltsnachzahlungen und Zulagen einigen.

Die Shoprite-Belegschaft konnte sich bei den Streikhandlungen auf breite Unterstützung für ihre Forderungen verlassen. Ein von der Gewerkschaft NAFAU ausgerufener Einkaufsboykott wurde vom namibischen Arbeitsminister Utoni Nujoma, mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen und Teilen der Bevölkerung mitgetragen.