Prinzipien haben keinen Preis
Als bei HiPP in Gmunden eine Produktlinie geschlossen wurde, stand plötzlich auch die berufliche Zukunft von Betriebsrat Patrick Gessert auf dem Spiel.
Er hätte das Unternehmen mit einer finanziellen Lösung verlassen können. Doch für ihn war klar: Er wollte bleiben.
Patrick Gessert arbeitet seit 16 Jahren im Unternehmen und ist seit Jänner 2025 Angestellten-Betriebsrat. Sein Verständnis von Arbeitnehmervertretung ist einfach: „Wenn ich sehe, dass jemand ungerecht behandelt wird, kann ich nicht wegschauen.“
Plötzlich selbst betroffen
Bis Februar 2026 war Patrick neben seiner Betriebsratsfunktion auch Bereichsleiter. Dann wurde eine Produktlinie geschlossen. Viele Beschäftigte verloren ihren Job, auch seine Position fiel weg. „Das hat mich wütend gemacht“, erzählt er. Er ist überzeugt, dass die Rückmeldungen der Beschäftigten früher hätten berücksichtigt werden müssen.Als Betriebsrat konnte er nicht einfach gekündigt werden. Stattdessen wollte das Unternehmen eine einvernehmliche Lösung und bot ihm Geld für seinen freiwilligen Abschied an. Doch Patrick lehnte ab: „Ich will meinen Arbeitsplatz zurück und kein Geld.“ Für ihn war damit auch eine grundsätzliche Frage verbunden: „Ich wollte den Leuten zeigen, dass auch ein großer Konzern nicht über dem Arbeitsrecht steht.“
Rückhalt von Familie, Betriebsrat und GPA
Seine Familie und das Betriebsratsteam standen hinter ihm. Auch die GPA begleitete ihn von Anfang an bei den Gesprächen mit der Geschäftsführung. „Das hat mir unglaublich viel Sicherheit gegeben“, sagt Patrick.Von Februar bis Juli war er dienstfrei gestellt. Leicht fiel ihm das nicht: „Plötzlich auf dem Abstellgleis zu stehen war sehr schwer für mich.“ Trotzdem hielt er den Kontakt zu den Beschäftigten und kam weiterhin ins Unternehmen. In dieser Zeit konnte er sogar neue Mitglieder für die GPA gewinnen.
Am Ende wurde für Patrick eine neue Stelle geschaffen – mit dem gleichen Gehalt. Er ist erleichtert, dass die Geschichte so ausgegangen ist. Seine Erfahrungen möchte er nun weitergeben und anderen Betriebsrät:innen zur Seite stehen, wenn sie in eine ähnliche Lage geraten. „Mir ist es vor allem wichtig, zu zeigen, dass es noch Menschen gibt, die keinen Preis haben.“