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GPA Summer School: Kollektivverträge verstehen heißt Gewerkschaft verstehen

Jugendliche aus ganz Österreich beschäftigten sich bei der Summer School der GPA-Jugend intensiv mit einem Herzstück gewerkschaftlicher Arbeit: dem Kollektivvertrag

Diese Woche steht die Steiermark ganz im Zeichen der gewerkschaftlichen Jugendbildung: Bei der Summer School der GPA-Jugend setzen sich junge Gewerkschafter:innen aus ganz Österreich mehrere Tage lang mit aktuellen und grundlegenden Themen der Gewerkschaftsbewegung auseinander. Am Montag stand dabei ein besonders wichtiges Thema auf dem Programm: Unter dem Titel „Dein Kollektivvertrag – das unbekannte Wesen“ gestalteten GPA-Regionalsekretär Christian Maierhofer und der stv. Landesgeschäftsführer der GPA Steiermark, Christian Jammerbund einen abwechslungsreichen Workshop rund um Geschichte, Bedeutung und Zukunft der österreichischen Kollektivverträge. 

Entstehung und Bedeutung von Kollektivverträgen

Dabei ging es zunächst um die Frage, warum Kollektivverträge überhaupt entstanden sind. Von den schwierigen Arbeitsbedingungen zu Beginn der Industrialisierung über die Entstehung der Arbeiter:innen-Bewegung bis zum heutigen österreichischen System wurde deutlich: Erst durch den gemeinsamen Zusammenschluss von Arbeitnehmer:innen wurde es möglich, Mindeststandards bei Löhnen, Gehältern und Arbeitsbedingungen kollektiv durchzusetzen. „Der Kollektivvertrag ist kein Geschenk der Arbeitgeber und auch keine Selbstverständlichkeit. Was heute für Millionen Beschäftigte selbstverständlich erscheint, musste von Generationen von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern erkämpft werden“, betonte Jammerbund.

Mehr Mitglieder = bessere Arbeitsbedingungen

Besonders im Mittelpunkt stand der Zusammenhang zwischen gewerkschaftlicher Stärke und guten Kollektivverträgen. Denn die Durchsetzungskraft am Verhandlungstisch hängt wesentlich davon ab, wie viele Beschäftigte organisiert sind und wie stark Betriebsrät:innen und Jugendvertrauensrät:innen in den Betrieben verankert sind. „Je mehr Mitglieder wir in einer Branche haben und je stärker unsere betriebliche Organisation ist, desto stärker können wir auch bei Kollektivvertragsverhandlungen auftreten. Gute Kollektivverträge brauchen eine starke Gewerkschaft – und eine starke Gewerkschaft braucht viele Mitglieder“, erklärte Maierhofer.

Interaktive Gruppenarbeit

Dass Kollektivverträge gerade für junge Beschäftigte ganz konkrete Auswirkungen haben, zeigte sich bei einer anschließenden interaktiven Gruppenarbeit. Betreut von GPA-Jugendsekretärin Christina Hebenstreit, nahmen die Teilnehmer:innen unterschiedliche Kollektivverträge selbst unter die Lupe und suchten gezielt nach Bestimmungen, die für Lehrlinge und junge Angestellte relevant sind – insbesondere zu Entgelt, Arbeitszeit und Freizeit. Anschließend wurden die Ergebnisse gemeinsam präsentiert und diskutiert. Dabei wurde rasch sichtbar, wie viele Ansprüche des täglichen Arbeitslebens nicht einfach „vom Gesetz kommen“, sondern Ergebnis kollektivvertraglicher Verhandlungen sind. Dazu gehören etwa regelmäßige Lohn- und Gehaltserhöhungen, Zulagen, Arbeitszeitregelungen sowie insbesondere Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Mit vielen Fragen, engagierten Diskussionen und praktischer Arbeit zeigte der Workshop eindrucksvoll, dass Kollektivvertragspolitik keineswegs trockene Materie sein muss.

Die zentrale Botschaft des Nachmittags brachte es schließlich auf den Punkt: Ohne Mitglieder keine starke Gewerkschaft – und ohne starke Gewerkschaft keine starken Kollektivverträge.