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Klare Absage an NEOS-Vorstoß für Teilarbeitsfähigkeit

Kein Abwälzen der Verantwortung der Unternehmen gegenüber ihren Beschäftigten auf die Allgemeinheit - jede:r vierte Arbeitslose in Tirol über 50

Mit dem Vorschlag der NEOS, mit einer neuen Einstufung der Teilarbeitsfähigkeit auf die schwierige Situation älterer Arbeitsloser zu reagieren, lassen sie die Beschäftigten für Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied klar im Stich. Sie stellt klar: „Unternehmen tragen Verantwortung für ihre Beschäftigten – dabei muss es auch bleiben!“ NEOS wollen, dass erkrankte Beschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren und als Ausgleich einen finanziellen Zuschuss erhalten – in welcher Höhe bleibt allerdings offen. Anstatt die Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen, sollen also einmal mehr Kosten auf die Steuerzahler:innen abgewälzt werden.

Aktuell sind in Tirol 6.429 Beschäftigte über 50 Jahren arbeitslos gemeldet – das ist mehr als ein Viertel aller Jobsuchenden. „Wer jahrzehntelang die Arbeitskraft seiner Beschäftigten in Anspruch genommen hat, kann sich nicht aus der Verantwortung verabschieden, sobald diese Menschen älter werden oder von gesundheitlichen Problemen betroffen sind. Es ist die Verantwortung der Unternehmen, dafür zu sorgen, dass Menschen bis zum Pensionsantritt gute und altersgerechte Arbeitsplätze vorfinden“, stellt Föger-Kalchschmied klar. Sie betont weiters: „Es ist geradezu paradox, dass genau jene, die Arbeiten bis 67 oder gar 70 fordern, gleichzeitig von älteren Beschäftigten ein Bild zeichnen, dass sie nicht mehr voll arbeitsfähig und häufiger krank sind. Wir brauchen alternsgerechte Arbeitsplätze und entsprechende Präventionsmaßnahmen anstatt eines zweifelhaften Systems, das ältere nur mit staatlichen Zuschüssen im eingeschränkten Erwerbsleben hält.“ Für die Gewerkschafterin ist klar, dass der NEOS-Vorstoß darauf abzielt, Versäumnisse der Unternehmen in Form von zunehmenden Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Hinzu komme, dass sich NEOS vehement für eine Kürzung der Lohnnebenkosten aussprechen – damit würde auch weniger Geld in unser Gesundheitssystem fließen. „Im Endeffekt wird hier versucht, den Arbeitnehmer:innen ein von der Gewerkschaft hart erkämpftes Recht abzuschaffen, nämlich den bezahlten Krankenstand. Dazu gibt es von unserer Seite ein klares Nein!“, hält Föger-Kalchschmied fest.

Bonus-Malus-System könnte über 266 Millionen Euro bringen

Der ÖGB spricht sich vielmehr für ein Bonus-Malus-System aus. Damit sollen faire Anreize für jene Unternehmen geschaffen werden, die ihrer Verantwortung sehr wohl nachkommen und Ältere beschäftigen. „Unser Modell sieht vor, dass Unternehmen für jeden fehlenden Arbeitsplatz eine Ausgleichszahlung in Höhe von 15 Prozent des durchschnittlichen Jahreslohns im jeweiligen Betrieb leisten. Betriebe, die die Beschäftigungsquote übererfüllen, profitieren hingegen von einem Bonus“, erklärt die Tiroler ÖGB-Chefin. Die Zahlen zeigen, dass dieses Modell einen konkreten Beitrag leisten kann: 8.909 Betriebe in Österreich übererfüllen die Quote und würden vom Bonus profitieren. 9.760 Betriebe verfehlen sie. Insgesamt fehlen derzeit 36.087 Arbeitsplätze für ältere Beschäftigte. Das rechnerische Malus-Aufkommen würde sich auf 266,4 Millionen Euro belaufen. Die Hälfte davon soll zweckgebunden in die aktive Arbeitsmarktpolitik des AMS fließen.

2026 in Tirol 48 Unternehmen mit BGF-Gütesiegel

„Wir brauchen gesundheitliche Unterstützung und Prävention wie beispielsweise betriebliche Gesundheitsvorsorge für Beschäftigte, aber genauso verbindliche Verantwortung der Unternehmen. Das eine gegen das andere auszuspielen, ist der falsche Weg“, so Föger-Kalchschmied. Nach wie vor setzen zu wenig Tiroler Unternehmen auf die betriebliche Gesundheitsförderung: 2026 erhielten lediglich 48 Unternehmen das BGF-Gütesiegel. „Da bleibt letztendlich Fördergeld ungenutzt liegen – hier besteht noch deutlich Luft nach oben. Die Betriebe sollten dieses Angebot für ihre Beschäftigten dringend nutzen!“, so die Gewerkschafterin.