Ärztekammer Steiermark lässt Beschäftigte warten
GPA kritisiert Stillstand bei Kollektivvertragsverhandlungen – tausende, vor allem weibliche Ordinationskräfte betroffen.
In der Steiermark herrscht Stillstand bei den Kollektivvertragsverhandlungen für Beschäftigte in Arztordinationen. Während in mehreren anderen Bundesländern bereits neue Abschlüsse erzielt wurden, verweigert die Ärztekammer Steiermark neue Verhandlungen – mit spürbaren Folgen für die Betroffenen.
Besonders brisant ist die Lage, weil in den Ordinationen überwiegend Frauen arbeiten. Rund 3.600 Ordinationsassistentinnen und Ordinationsassistenten halten in der Steiermark den Betrieb am Laufen: Sie organisieren Termine, betreuen Patientinnen und Patienten, übernehmen administrative Aufgaben und assistieren bei Untersuchungen. Bereits 2024 wurde darauf hingewiesen, dass die Forderungen nach besseren Bedingungen vor allem Frauen betreffen – und damit auch eine gleichstellungspolitische Dimension haben.
Währenddessen ziehen andere Bundesländer davon: In Kärnten steigen die KV-Gehälter um rund 20 Prozent. Niederösterreich verzeichnete für 2026 ein Plus von 3,19 Prozent, Oberösterreich 3,5 Prozent. Auch Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Wien haben für 2026 neue kollektivvertragliche Regelungen beschlossen. In Wien steigt die KV-Gehaltstabelle 2026 um 3,5 Prozent (maximal 75 Euro), die IST-Gehälter um 2,3 Prozent (maximal 57 Euro); zusätzliche Zulagen und Verbesserungen im Rahmenrecht wurden vereinbart.
In der Steiermark gab es zuletzt eine Erhöhung um 3,15 Prozent ab Dezember 2025 sowie eine Einmalzahlung von 800 Euro. Die Verhandlungen für 2026 sollten zeitnah starten. Bislang blieb es jedoch bei der Ankündigung, weil die Arbeitgeber sich quer stellen.
Die GPA fordert daher rasche Gespräche und pocht auf höhere Gehälter sowie auf ein österreichweit einheitlicheres Regelwerk für Beschäftigte in Arztordinationen. Unterschiedliche Kollektivverträge führen zunehmend zur Ungleichbehandlung je nach Bundesland. Besonders kritisch ist, dass die Ärztekammer Steiermark in der Vergangenheit Forderungen nach Erhöhungen der tatsächlich gezahlten IST-Gehälter nicht akzeptiert hat – eine Praxis, die in anderen Bundesländern bereits Standard ist.
Im Kern geht es um die Frage, wie viel die Arbeit jener wert ist, die den Ordinationsalltag organisieren. Für viele Betroffene geht es um mehr als Prozentsätze auf dem Papier: um die Anerkennung ihrer Leistung und um Einkommen, die mit den Entwicklungen in anderen Regionen Schritt halten.
Während anderswo weiterverhandelt und abgeschlossen wird, bleibt für die steirischen Arztangestellten eine zentrale Frage offen: Wann setzt sich die Ärztekammer Steiermark wieder mit der Gewerkschaft an den Verhandlungstisch? Denn je länger die Unterschiede wachsen, desto größer wird die Einkommenslücke zwischen den Bundesländern.