Insolvenz-Entgelt-Fonds muss wieder gefüllt werden
Steigende Zahl der Firmenpleiten lässt Alarmglocken schrillen
Wenn Unternehmen in die Insolvenz schlittern, liegt das meist an Managementfehlern oder Marktverwerfungen und nicht an der mangelnden Arbeitsleistung der Beschäftigten. Daher ist es nur fair, wenn in solchen Fällen der Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) einspringt und die ausstehenden Gehälter und Ansprüche begleicht. Dazu müssen die Kassen des Fonds allerdings auch gefüllt sein.
In Zeiten steigender Firmenpleiten genau dieses Instrument zu schwächen, zeigt das mangelnde Verständnis mancher Wirtschaftstreibender für die Lebenssituation der Menschen in diesem Land. Anfang des Jahres war der IEF noch mit über 385 Millionen Euro gefüllt, laut Prognosen des „Kurier“ sollen es Ende des Jahres nur noch 30 Millionen Euro sein.
Rund 5.700 Beschäftigte betroffen
Angesichts einer alarmierenden Anzahl von Firmenpleiten schrillen die Alarmglocken: Laut der Wirtschaftsauskunftei und Gläubigerschutzorganisation Creditreform haben von Jänner bis September 2026 in Österreich 5.115 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Das bedeutet 27 Insolvenzverfahren pro Werktag. Ein ähnliches Bild zeigen die Zahlen des Kreditschutzverbands KSV1870: Seit Jahresbeginn 2026 zählt der KSV1870 rund 12.000 betroffene Gläubiger, ein Anstieg von 7,1 % gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer:innen liegt bei 5.700.
„Der Insolvenz-Entgelt-Fonds ist kein gütiges Geschenk für Beschäftigte, sondern die Versicherung für Unternehmen, wenn Managementfehler, Marktverwerfungen oder verfehlte Konzernstrategien in die Insolvenz führen. Es geht um die Bezahlung bereits geleisteter Arbeit.“
Hier ist die Politik gefordert: die Aufstockung Arbeitgeberbeitrags zurück auf das ursprüngliche Niveau von 0,2 Prozent soll die Auswirkungen der Firmenpleiten wieder besser abfedern. Wer diesen Schutzschirm für Beschäftigte schwächen will, hat aus den Pleiten der letzten Monate wie Kika/Leiner oder KTM nichts gelernt.
Kampf gegen Insolvenzbetrug nötig
Der Fonds sichert Löhne, Gehälter und Sonderzahlungen und verhindert, dass Familien nach einer Insolvenz ohne Einkommen dastehen. Wenn der Fonds leer ist, steht nichts anderes auf dem Spielfeld. Effizienz ist gut, Aushöhlung nicht. Wenn die Industriellenvereinigung von Reformen spricht, meint sie weniger Schutz für die, die ohnehin schon ihren Job verloren haben.
„Wir dürfen nicht erst handeln, wenn das Geld aus ist – wir müssen jetzt gegensteuern. Wir fordern, den Arbeitgeberbeitrag rasch und unbürokratisch von 0,1 auf 0,2 Prozent anzuheben – so wie vor der letzten Senkung.“
Wo es tatsächlich Reformen im Insolvenzrecht braucht, ist beim Kampf gegen Insolvenzbetrug. Wir fordern die verpflichtende Vorlage von Lohnkonten, Bankzahlungsnachweisen, Zeiterfassung, Urlaubsständen und Sonderzahlungsabrechnungen durch die Unternehmen an den Fonds, sodass Ansprüche schneller geprüft werden können. Außerdem muss genau darauf geachtet werden, ob Insolvenzen beispielsweise zeitlich absichtlich so gelegt werden, dass der Fonds Sonderzahlungen erstatten muss.