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Teilzeit hat einen Grund: Care-Arbeit

Warum so viele Frauen in Teilzeit arbeiten – und wer die Rechnung dafür bezahlt

Adobe Stock / kieferpix

In Österreich arbeiten Frauen deutlich häufiger in Teilzeit als Männer. Besonders nach der Geburt eines Kindes verfestigt sich dieses Muster. Während mehr als 91,5 % der Väter mit Kindern unter 15 Jahren Vollzeit arbeiten, sind es bei den Müttern nur 24,7 % (Stand 2025). Teilzeit ist damit weniger eine rein individuelle Entscheidung als das Ergebnis einer ungleichen Verteilung von Erwerbs- und unbezahlter Care-Arbeit.

Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Haushalt und Familienalltag

Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Haushalt und die Organisation des Familienalltags sind Arbeit – allerdings meist unbezahlte. Noch immer übernehmen Frauen davon einen deutlich größeren Anteil. Nach der Karenz reduzieren sie daher häufig ihre bezahlte Erwerbsarbeitszeit, während Männer ihre Arbeitszeit wesentlich seltener verringern.

Dazu kommen strukturelle Probleme, wie fehlende oder nicht ausreichend lange Kinderbetreuungsangebote, insbesondere im ländlichen Raum, traditionelle Rollenbilder und Arbeitsplätze, bei denen Vollzeit nach wie vor als Normalfall gilt. Wer wegen Betreuungspflichten weniger arbeitet, hat zudem häufig schlechtere Chancen auf Karriere und beruflichen Aufstieg.

Teilzeit bedeutet langfristige finanzielle Nachteile

Was heute als „nur ein paar Stunden weniger“ erscheint, kann sich über Jahrzehnte massiv auswirken. Weniger Arbeitsstunden bedeuten weniger Einkommen, geringere Aufstiegschancen und niedrigere Sozialversicherungsbeiträge, was sich im bspw.: in der Arbeitslosenunterstützung und in der Pension auswirkt.

Eine WIFO-Modellrechnung aus dem Jahr 2017/18 zeigt, welche Größenordnung die langfristigen Folgen annehmen können. Wird nach einer zweijährigen Karenz dauerhaft 20 Stunden pro Woche gearbeitet, liegt das Bruttolebenseinkommen im Vergleich zu einem Vollzeitverlauf um rund 600.000 Euro niedriger.

Care-Arbeit wird doppelt bezahlt

Auch die Pension ist betroffen. Eine lang andauernde Teilzeitbeschäftigung mit 30 Stunden kann die spätere Pension im Vergleich zu einer durchgehenden Vollzeitbeschäftigung um etwa 20%, eine 20-Stunden-Beschäftigung sogar um etwa 40% reduzieren. Wie teuer Frauen die Teilzeitarbeit im Alter zu stehen kommt, zeigt das Pensionskonto. Die Pension fällt dadurch so niedrig aus, dass sie oft nicht einmal den Richtsatz der Ausgleichszulage erreicht.

Damit wird unbezahlte Care-Arbeit letztlich doppelt bezahlt: Zuerst leisten Frauen sie ohne Entgelt – später zahlen sie dafür mit einem geringeren Einkommen und einer niedrigeren Pension. Mit dem überholten Weltbild zu leben, Kindererziehung sei nun einmal unbezahlte Frauensache, weil es „immer schon so war“, ist für manche Männer zweifellos bequem. Sie müssen weder ihr Einkommen noch ihre Pension dafür opfern. Die Rechnung für dieses vermeintlich „natürliche“ Rollenverständnis bezahlen bis heute vor allem die Frauen.

Deine Gewerkschaft GPA fordert

Notwendige Forderungen, nach einer flächendeckende, leistbaren Kinderbetreuung, mehr qualifizierte Teilzeitstellen und Arbeitszeitmodelle, die Betreuungspflichten berücksichtigen – gleichzeitig stärkere Einbindung der Väter in Karenz und Sorgearbeit, damit Erwerbs- und Familienarbeit gerechter verteilt werden, wurden bisher nicht umgesetzt.