Gewerkschaft GPA Tirol: Jugendarbeitslosigkeit kein individuelles Versagen, sondern politisches Versäumnis
Junge Menschen sind keine Statistik – mehr Deutschförderung, Absicherung von Ausbildungsprogrammen und Unterstützung für ausbildende Betriebe gefordert
Die aktuellen Zahlen und Entwicklungen zur Jugendarbeitslosigkeit in Tirol zeigen deutlich: Das Problem ist bekannt – gelöst wurde es nicht. Die GPA Jugend Tirol sieht die Verantwortung klar bei der Politik und fordert von der Tiroler Landesregierung endlich eine wirksame Gesamtstrategie.
Die neuen Jugendstudie der Wirtschaftskammer Tirol, in der 600 Jugendliche befragt wurden, belegt, dass die Lehre als Bildungsweg grundsätzlich einen guten Ruf bei den Tiroler Jugendlichen genießt. Trotzdem bleiben viele Lehrstellen unbesetzt: „Wenn junge Menschen trotz verfügbarer Lehrstellen keinen Zugang zu Ausbildung finden, dann ist das kein Zufall – sondern ein strukturelles Versagen“, stellt Matteo Iori, Jugendsekretär der Gewerkschaft GPA Tirol, klar. „Hier wurde jahrelang zugeschaut, statt aktiv gegenzusteuern.“
Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei jungen Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Fehlende Deutschkenntnisse, finanzielle Unsicherheit und mangelnde Unterstützung verhindern oft den Einstieg in Ausbildung und Arbeit – obwohl der Bedarf an Fachkräften so hoch ist wie nie.
Die GPA Jugend Tirol unterstützt ausdrücklich die Einschätzungen und Forderungen des AMS und fordert weitere Maßnahmen: Kostenlose, verpflichtende und ausreichend intensive Deutschförderung ab dem ersten Tag, eine existenzsichernde Unterstützung während Ausbildung und Qualifizierung und mehr Investitionen in überbetriebliche Ausbildungsplätze
„Wer Integration ernst meint, muss auch die Rahmenbedingungen schaffen. Sprachförderung darf keine freiwillige Zusatzleistung sein, sondern muss von Anfang an verbindlich organisiert werden“, so Iori.
Darüber hinaus weist die GPA Jugend Tirol auf die sozialen Folgen fehlender Perspektiven hin: „Wer einmal aus dem System fällt, hat ein deutlich höheres Risiko für psychische Belastungen. Gleichzeitig erschweren psychische Probleme den Wiedereinstieg in Ausbildung und Arbeit massiv. Dieser Kreislauf ist bekannt – und trotzdem passiert zu wenig.“
Appell an Politik
Die Gewerkschaftsjugend kritisiert, dass Maßnahmen oft zu spät, zu kurz oder zu wenig verbindlich sind. Einzelprojekte reichen nicht aus, wenn die strukturellen Probleme ungelöst bleiben. „Es braucht endlich eine koordinierte Strategie statt punktueller Maßnahmen. Junge Menschen brauchen echte Chancen – keine Warteschleifen“, betont Iori.
Konkret richtet die GPA Jugend Tirol ihre Forderung an Arbeits- und Jugendlandesrätin Astrid Mair sowie Wirtschaftslandesrat Mario Gerber: Es geht um den Ausbau und langfristige Absicherung von Ausbildungsprogrammen, verbindliche Maßnahmen gegen Ausbildungsabbrüche, die stärkere Unterstützung für Betriebe, die Lehrlinge ausbilden und konsequente Bekämpfung von ausbildungsfremden Tätigkeiten.
„Junge Menschen sind keine Statistik. Sie brauchen Perspektiven, Sicherheit und echte Unterstützung. Es ist Aufgabe der Politik, diese Voraussetzungen zu schaffen – und nicht, die Verantwortung auf Einzelne abzuschieben“, so Iori abschließend.