Gewerkschaft GPA Tirol: Lage im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich seit über einem Jahr angespannt

Weiterhin keine Erleichterung für zu Betreuende und Personal

Öffnungsschritte stehen vor der Türe, aber weiterhin bleiben die Erleichterungen im Gesundheits-, Pflege und Sozialbereich aus. „Diese Situation ist äußerst demotivierend für unsere BewohnerInnen und MitarbeiterInnen“, resümiert Margit Luxner, Vorsitzende des Wirtschaftsbereiches Gesundheit und Soziales der Gewerkschaft GPA Tirol und Betriebsratsvorsitzende eines Pflegeheims. „Seit einem Jahr wird sich zum Schutz Aller penibel an alle Regeln gehalten. Die Kapazitätsgrenzen sind allerdings schon längst überschritten!“

 

„Vor allem die psychische Belastung macht vielen unserer HeimbewohnerInnen zu schaffen“, gibt Luxner zu bedenken. „Seit über einem Jahr dürfen sie nur wenig bis gar keinen Besuch empfangen. Auch die Aktivitäten innerhalb der Häuser sind stark eingeschränkt, gemeinsame Freizeitbeschäftigung ist fast ein Ding der Unmöglichkeit geworden.“ Die anhaltenden strengen Maßnahmen stoßen vor allem bezüglich der hohen Durchimpfungsrate von 84% in den Tiroler Wohn- und Pflegeheimen auf großes Unverständnis. „Wenigstens im Freien sollte die Maskenpflicht überdacht werden, wenn zwei Geimpfte beispielsweise einen kleinen Spaziergang machen. Leider warten wir bis heute auf die entsprechenden Erleichterungen.“

 

Neben der mentalen Belastung gibt es laut Harald Schweighofer, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA, weitere Probleme, die die tägliche Arbeit derzeit erschweren. „Zum einen ist die Kommunikation zwischen Bund und Heimen katastrophal, neue Maßnahmen und Informationen müssen teilweise aus den Medien entnommen werden. Andererseits müssen MitarbeiterInnen zusätzlich zu ihren gewöhnlichen Tätigkeiten als Kontrollorgan fungieren, diese Ressourcen fehlen dann andernorts. Auch die Nichteinhaltung von Maßnahmen birgt großes Konfliktpotential. Es ist allerdings nicht die Aufgabe der Pflegekräfte hier die Exekutive zu spielen!“

 

Von den aktuellen Maßnahmen betroffen sind auch die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die besonders in der Freizeitgestaltung eine wichtige Entlastung für die PflegerInnen darstellen. „Durch den anhaltenden Personalmangel sind wir auf diese MitarbeiterInnen angewiesen, sie tragen wesentlich zur Lebensqualität der BewohnerInnen bei“ so Luxner.

 

Die Weitläufigkeit der Problematik zeigt auch Sonja Föger-Kalchschmied, Betriebsratsvorsitzende in der Tiroler Lebenshilfe auf: „Häufig wird nur vom Pflegebereich gesprochen und dabei umfasst der Gesundheits- und Sozialbereich viel mehr Branchen wie Behindertenbegleitung Kinderbetreuung, Jugendorganisationen etc. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind genauso von den strengen Corona-Schutzmaßnahmen betroffen, werden aber häufig bei der offiziellen Kommunikation vergessen. Es fehlen klare Informationen über geplante Erleichterungen, die Kolleginnen und Kollegen brauchen eine klare Perspektive über geplante Erleichterungen. Derzeit arbeiten die MitarbeiterInnen mit FFP2-Masken, sind wöchentlich getestet und jetzt zunehmend auch geimpft, arbeiten zum Teil auch noch mit Schutzanzug - das ist nicht mehr nachvollziehbar und entbehrt zunehmend jeder Logik. Die Kritik innerhalb der Belegschaft wird lauter. Wir brauchen klar Aussagen und einen konkreten Zeitplan für den gesamten Gesundheits- und Pflegebereich.“

 

Luxner richtet abschließend einen klaren Appell an die Bundesregierung: „Die aktuellen Maßnahmen müssen endlich der Realität angepasst werden. Die am Anfang der Pandemie noch am stärksten geschützte Personengruppe läuft Gefahr, vergessen zu werden. Das dürfen wir nicht zulassen!“

 

Rückfragen:

Harald Schweighofer, mobil: 0676-817118100

Ralf Wiestner, Sekretär der Gewerkschaft GPA, mobil: 0676-817118104

Helena Sachers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ÖGB Tirol, mobil: 0664-6145186