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Corona-Prämie: Viele haben sie verdient, wenige sollen sie bekommen

Kiryl Lis - stock.adobe.com

Wir haben für die Corona-Prämie hart gekämpft. Dass einzelne Berufsgruppen der Gesundheitsberufe ihre 500 Euro jetzt endlich bekommen sollen, ist ein großer Erfolg. Aber viel mehr ArbeitnehmerInnen haben sich diese Anerkennung verdient, die Regierung darf diese hervorragenden Leistungen nicht einfach ignorieren. Das fordern die Gewerkschaften GPA, younion, vida und GÖD im Namen ihrer Mitglieder.

"Wer alte Menschen pflegt und betreut, soll 500 Euro bekommen. Wer sich um Behinderte kümmert, nicht. Das ist absolut nicht nachvollziehbar", sagt Mario Ferrari, Geschäftsführer der GPA Wien. Viele Berufsgruppen, etwa auch die Wohnungslosenhilfe oder die Sucht- und Drogenberatung leisten seit Pandemiebeginn Unglaubliches. Jetzt den Gesundheits- und Sozialbereich zu spalten ist unredlich.

Atem beraubende Willkür

Die Willkür bei der Auszahlung der Corona-Prämie ist Atem beraubend. Auf einer Spitalsstation sind die 500 Euro genehmigt, die KollegInnen nebenan sollen leer ausgehen. Das werden wir nicht hinnehmen. „Spitäler und Pflegeeinrichtungen sind eine Einheit, sämtliche Beschäftigten haben zur Bewältigung der Pandemie beigetragen und haben sich Anerkennung verdient“, stellte Edgar Martin von der younion klar.

Der Finanzminister soll ausreichend Geld zur Verfügung stellen, um allen Heldinnen und Helden der Krise Wertschätzung zu zeigen. In den allermeisten Fällen fließt das Geld über den Konsum sofort in den Wirtschaftskreislauf zurück und fördert den heimischen Handel. Diese Maßnahme wäre also nicht nur gerecht, sondern kurbelt außerdem die heimische Wirtschaft an.

Rettungs- und Krankentransporte

"Gerade auch die Kolleginnen und Kollegen bei den Rettungs- und Krankentransporten haben ihr Leben bei der Pandemiebekämpfung riskiert. Sie waren in jedem Spital, in jeder Pflegeeinrichtung und auch oft in den Wohnungen von Infizierten", betont Sylvia Gassner, Betriebsrätin beim Roten Kreuz.

Mit wenig Verständnis reagiert auch Gerald Mjka, Betriebsrat im Krankenhaus Göttlicher Heiland Wien und stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft vida, auf den Gesetzesvorschlag: „So wie sich der Gesetzesvorschlag liest, schaut es so aus, als hätte die Regierung nicht nur auf einzelne Berufsgruppen vergessen, sondern auf ganze Bereiche.“ So wird zum Beispiel nicht nur das Reinigungspersonal nicht berücksichtig, sondern in privaten Krankenanstalten auch Pflegekräfte, die direkt am Patienten arbeiten.

Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel selbst hergestellt

Zu Beginn der Krise 2020 war kaum effektive Schutzausrüstung vorhanden. Beschäftigte aller Professionen waren sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst und haben trotz des großen Infektionsrisikos ihre Aufgaben in allen Bereichen bestmöglich erfüllt. „Das waren nicht nur die unmittelbar medizinisch-, pflegerischen. Es wurde auch Mund-Nasenschutz aus Stoff genäht, Desinfektionsmittel wurden selbst hergestellt - heute 15 Monate später unvorstellbar“, erklärt Reinhard Waldhör von der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft. 

Innerhalb von wenigen Tagen haben die Teams der Technik ganze Eingangsbereiche von Krankenhäusern zu Sicherheitsschleusen umgebaut, es wurden Zugangskontrollen auf die Beine gestellt, die Labors fahren bis heute Sonderschichten, um die vielen Tests abarbeiten zu können. Die Beschäftigten im Verwaltungsbereich arbeiten bis jetzt ebenso in Hochrisikobereichen, nicht wenige haben sich im Dienst mit Covid19 infiziert und sind schwer erkrankt. Warum ausgerechnet diese Berufsgruppen vom Bonus ausgeschlossen werden sollen, ist absolut unverständlich. Wir fordern eine faire Verteilung des Covid19-Bonus an alle, denn auch zum Gelingen braucht es alle!