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Sozialwirtschaft: Mehr als 3000 Beschäftigte bei der Demo in Wien

Gewerkschaften fordern plus 15 Prozent, Nächste Verhandlung am 16. November
Mehr als 3000 Beschäftigte demonstrierten am 8. November um wieder Bewegung in die Kollektivvertrags-Verhandlungen zu bringen.

Am Montag, 19.09.2022, überreichten die Gewerkschaften GPA und vida dem Arbeitgeberverband „Sozialwirtschaft Österreich“ das Forderungsprogramm für die Kollektivvertragsverhandlungen für die 130.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits- und Sozialbereich. Im Zentrum steht die Forderung nach einer realen und nachhaltigen Erhöhung der Löhne und Gehälter. Und deshalb kämpfen deine Gewerkschaften GPA und vida für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Gehalt und mehr Freizeit.

Wir fordern eine Lohn- und Gehaltserhöhung, die nicht nur die Teuerung abdeckt, sondern die hervorragenden Leistungen der Kolleginnen und Kollegen im vergangenen Jahr berücksichtigt.

Eva Scherz, Verhandlerin der Gewerkschaft GPA

Deine Gewerkschaften GPA und vida kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Gehalt und mehr Freizeit. Am 19. Oktober fand die bereits dritte Verhandlungsrunde statt. Nach 12 Stunden wurde diese unterbrochen, weil die Arbeitgeber kein annehmbares Angebot vorgelegt haben.

Mehr als 3000 Beschäftigte bei Demo in Wien

Die Gewerkschaften fordern ein Gehaltsplus von plus 15 Prozent, mindestens aber 350 Euro und diverse Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen. Mehr als 3000 Beschäftigte demonstrierten am 8. November in Wien um wieder Bewegung in die Kollektivvertrags-Verhandlungen zu bringen. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 16. November statt. Noch mehr Fotos von der Demo findest du zum Beispiel hier auf Facebook

SpringerInnenregelung, mobiler Bereich, Kilometergeld

Schwerpunktdiskussionen gibt es vor allem zu den Themen SpringerInnenregelung, den Arbeitsbedingungen im mobilen Bereich, sowie den Bedingungen im Kinderbildungs- und Betreuungsbereich. Auch die deutliche Anhebung des Kilometergeldes wurde breit diskutiert. Die meisten unserer Forderungen sind für die ArbeitgeberInnen aus heutiger Sicht nicht bzw. nur sehr reduziert umsetzbar. Wir werden Schritt für Schritt Druck aufbauen müssen, um die Verhandlungen zu unterstützen. „In Zeiten multipler Krisen sind soziale Arbeit und Gesundheitsberufe besonders gefordert. Diesem Umstand muss Rechnung getragen werden“, sagt Eva Scherz, Verhandlerin der Gewerkschaft GPA.

Dringend mehr Personal

„Die Sozialwirtschaft braucht dringend mehr Personal, um die bereits in der Branche beschäftigten Kolleginnen und Kollegen zu entlasten“, verweist Beatrix Eiletz, Betriebsratsvorsitzende der Volkshilfe, auf die 29 Pandemiemonate, die ein Brennglas auf die Arbeitsbedingungen geworfen haben. Jetzt würde zudem die Teuerung voll zuschlagen. „Jeder Euro mehr, der durch Zuschläge für Mehrarbeit, Verbesserungen bei den Einstufungen und durch die Erhöhung des Kilometergelds auf 60 Cent pro Kilometer, bei den Beschäftigten ankommt, ist essenziell.“

Darüber hinaus werden Verbesserungen bei der Vorbereitungszeit im Kinderbetreuungsbereich, ein Flexibilisierungszuschlag für kurzfristige Änderungen im Dienstplan sowie höhere Lehrlingseinkommen, Unterstützungen für die Lehre mit Matura und - nach der Durchsetzung der 37-Stunden-Woche im Jahr 2020 – eine weitere Arbeitszeitverkürzung gefordert.

Die Sozialwirtschaft braucht dringend mehr Personal, um die bereits in der Branche beschäftigten Kolleginnen und Kollegen zu entlasten!

Beatrix Eiletz, Betriebsratsvorsitzende der Volkshilfe

Frauenanteil und Teilzeitquote bei 70 Prozent

Die Sozialwirtschaft Österreich umfasst 130.000 Beschäftigte. Neben prominenten Berufsgruppen wie der Pflege und Betreuung finden sich etwa auch Pflegeeltern, Tagesmütter, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der schulischen Tagesbetreuung und aus Kindertagesbetreuungseinrichtungen, aus der Schulsozialarbeit und -assistenz, aus mobilen Erziehungshilfen, Einrichtungen der vollen Erziehung, aus dem Bereich der persönlichen Assistenz, der Suchtberatung und viele weitere. Der Frauenanteil beträgt rund 70 Prozent. Die Teilzeitquote beträgt ebenfalls etwa 70 Prozent. Die letzten Verhandlungen dieses Kollektivvertrags fanden 2020 statt, dabei konnte die generelle 37-Stunden-Woche durchgesetzt werden.

Unser Kollektivvertragsprozess – einfach erklärt

Du wurdest schon oft gefragt wie unser Kollektivvertrag eigentlich zustande kommt? Was da alles im Vorhinein passiert? Wer hier eigentlich entscheidet? Das zu erklären ist nicht immer ganz einfach. Daher gibt es jetzt eine übersichtliche Präsentation, die genau unseren Prozess erklärt und darstellt. Von der Willensbildung über Protestaktion, Demos und Streiks, bis hin zum erfolgreichen Abschluss.

So kannst du unseren Prozess, also den Ablauf bis zum Abschluss unseres Kollektivvertrags, ganz einfach deinen Kolleginnen und Kollegen vom Betriebsrat präsentieren. Oder auch interessierten Kolleginnen und Kollegen, die sich für Gewerkschaftsarbeit besonders interessieren.

Viel Spaß bei der Präsentation!