Covid-19 und die von den österreichischen Langzeitpflegekräften wahrgenommenen Stressoren

Eine Studie von Michael Brugger, Rebeka Hengalova und Jana Stefan

[…] man kann die Pflege eben nicht mehr so durchführen, wie man sie durchführen will,

das ist ein Punkt, wo man sagt, da leidet die eigene Psyche drunter, weil ich mit meinem Beruf,

wie ich ihn ausübe, nicht mehr zufrieden bin […]

Interviewpartner 6

 

Die Arbeitsbedingungen von Langzeitpflegekräften in Österreich sind zunehmend prekär. Die Covid-19-Pandemie hat zwar negative Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, wirkt sich aber besonders auf das Arbeitsumfeld von Pflegekräften und ihre psychische und physische Gesundheit aus. Diese Studie untersucht die wahrgenommenen Stressoren von Langzeitpflegekräften in österreichischen Pflegeheimen durch semi-strukturierte Interviews während der zweiten Covid-19-Welle im Herbst 2020. Diese Stressoren werden in Makro-, Meso- und Mikroebene klassifiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Reihe von bereits vorhandenen Stressoren, wie z.B. mangelnde Gratifikation, Personalmangel und Erschöpfung verstärkt wurden. Neu auftretende Stressoren sind u.a. die Verbreitung widersprüchlicher Informationen, der Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung und der rapide abnehmende Gesundheitszustand der Klientinnen und Klienten. Eine Verbesserung der strukturellen und regulatorischen Gegebenheiten sowie eine Veränderung der Führungspraxis erscheinen dringend notwendig, sowohl um die gegenwärtigen Herausforderungen zu bewältigen, als auch einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs darüber zu ermöglichen, wie die Pflege in Zukunft gestaltet werden soll.