Ladenöffnung: Beschäftigten im Handel ist freier Sonntag extrem wichtig

Den Handel bringt man primär mit zusätzlicher Kaufkraft in Schwung
Michael Mazohl

„Wenn den NEOS die Zukunft des Handels ein echtes Anliegen ist, dann sollten sie sich primär für eine Stärkung der Kaufkraft der Beschäftigten einsetzen und nicht die Illusion erwecken, das Hauptproblem des Handels seien zu wenig liberale Öffnungszeiten“, sagt die Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, Barbara Teiber zum aktuellen Vorstoß der NEOS.

Faktum ist, dass viel, vor allem kleinere Handelsunternehmen die bestehenden Möglichkeiten der Öffnung gar nicht ausnutzen. Faktum ist auch, dass der überwältigenden Mehrheit der betroffenen Beschäftigten der freie Sonntag extrem wichtig ist. Aus der Praxis wissen wir, dass es mit der viel beschworenen Freiwilligkeit bei der Arbeitszeit nicht weit her ist. Schon jetzt haben Beschäftigten kaum Möglichkeit, bei der Gestaltung der Dienstpläne mitzureden. Der Sonntag ist für die Angestellten der einzige Tag der, an dem sich die Freizeit noch planen lässt. Die von den NEOS beschworene Freiheit ist dann die Freiheit des Stärkeren.

Das Argument der NEOS, eine Sonntagsöffnung würde sich positiv auf das Pandemiegeschehen auswirken, ist naiv. Ein Tag mehr Kundenströme und volle öffentliche Verkehrsmittel kann kein positiver Beitrag zur Pandemieeindämmung sein. Wem die schwierige Situation des Handel tatsächlich ein Anliegen ist, der soll sich für eine Stärkung der Kaufkraft einsetzen, etwa ganz aktuell auch durch die Gewährung eines Corona-Prämie für alle Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich oder durch eine kräftige Erhöhung des Arbeitslosengeldes.