Goldener Herbst im Handel

Umsätze und Gewinne steigen – die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

Im österreichischen Handel sind lt. Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger im Durchschnitt 2017 rund 540.000 Personen unselbständig (davon ca. 60.000 geringfügig) beschäftigt, 407.000 als Angestellte und 133.000 als Arbeiter. Der Handel bildet darüber hinaus noch 15.000 Lehrlinge aus.

  • Die beschäftigungsstärkste Branche ist der Einzelhandel mit rund 59% der Handelsangestellten, gefolgt vom Großhandel mit 33%. Der Kfz-Handel beschäftigt etwa 8% der Handelsangestellten.
  • 258.000 Angestellte (63,4 %) sind weiblich, 149.000 sind männlich (36,6%)
  • Die Teilzeitquote im Handel liegt aktuell bei 39 %.

Die 77.800 Handelsunternehmen erwirtschaften Umsätze im Wert von circa 240 Milliarden Euro. Knapp zwei Drittel davon setzt der Großhandel um, ein gutes Viertel macht der Einzelhandel, ein Achtel entfällt auf den Kfz-Handel.

Branchenkonjunktur – Goldener Herbst auch im Handel

Der österreichische Handel profitiert von der allgemein günstigen Konjunkturlage. Das Wachstum der gesamten Wirtschaftsleistung beschleunigt sich in Österreich weiter. Nach +2,0% 2016 und +2,6% im Jahr 2017 wird das BIP laut WIFO 2018 real um 3,0% zunehmen. Die Konjunktur zeigte sich bislang im internationalen Vergleich sehr robust und wird auch im kommenden Jahr auf einem hohen Niveau bleiben. Die Wirtschaft wächst stärker als im gesamten Euroraum. Österreichs Konjunktur wird weiter vom Privatkonsum gestützt, der wiederum vom starken Beschäftigungsanstieg, steigenden Reallöhnen und hohem Konsumentenvertrauen profitiert, was wiederum dem Handel zu Gute kommt.

 

Plus 2,9% im umsatzstärksten Lebensmittelhandel

Laut Statistik Austria verzeichnet der nominelle Umsatz 2017 im Handel ein kräftiges Plus von 5,1 %. Unter Berücksichtigung der Preiseffekte steigt der Absatz um 2,1 %. Damit liegt der Handel sogar über dem österreichischen Bruttoinlandsprodukt von 4,6 % nominell.

Die Entwicklung verläuft in den einzelnen Sektoren unterschiedlich. Der Lebensmitteleinzelhandel trägt als umsatzstärkste Branche (rund 40 % des Einzelhandelsumsatzes) mit einem nominellen Umsatzplus von 2,9 % entscheidend zur guten Entwicklung bei.

Die höchste Steigerungsrate verzeichnet wie schon im Jahr 2016 der Kfz-Handel mit einem nominellen Plus von 7,5 %.

Eine überdurchschnittlich gute Entwicklung meldet auch der Einzelhandel mit pharmazeutischen, medizinischen und kosmetischen Produkten (+4,0 %).

Leichte Umsatzrückgänge von -0,1 % sind in den modischen Branchen (Bekleidung, Schuhe) beobachtbar.

1. Halbjahr 2018: Weiter Anstieg der Umsätze

Nach den Auswertungen von Statistik Austria zeichnet sich im ersten Halbjahr 2018 eine weitere Umsatzsteigerung ab. Der nominelle Umsatz liegt im ersten Halbjahr um 3,9 % über dem Vorjahresniveau.

Der Einzelhandel schließt das erste Halbjahr mit einem erfreulichen Zuwachs von 2,7 % ab.

Der Großhandel bilanziert ebenfalls positiv und verzeichnet ein Umsatzplus von 4.2% in den ersten 6 Monaten.

Auch der Kfz-Handel hat wiederholt ein hohes Umsatzplus von 5,7 % aufzuweisen.

Leichtes Beschäftigungsplus 2017 und im 1. Halbjahr 2018. Die Zahl der unselbständig Beschäftigten im Handel verzeichnet im Jahr 2017 ein leichtes Plus von 0,4 % (plus 1.971 unselbständig Beschäftigte).

Branchenreport der Arbeiterkammer

Der AK Branchenreport untersuchte 204 Handelsunternehmen, die 133.390 ArbeitnehmerInnen (25 % der Angestellten im Handel) beschäftigen.

Erzielter Umsatz: 47,2 Mrd. Euro (19,7 % des gesamten Handelsumsatzes).

Für das Geschäftsjahr 2017 lässt sich ein durchschnittlicher Umsatzzuwachs von + 5,0 % nominell errechnen. Damit entwickeln sich die in die Bilanzbranchenanalyse einbezogenen Unternehmen gleich gut wie die gesamte Branche (+ 5,1 % nominell). Die operative Ertragslage gestaltet sich 2017 sehr erfreulich. Die operativen Gewinne wachsen um 10,8 %. 75 % der Unternehmen können sich über ein Umsatzplus freuen.

Gewinnausschüttungen legen deutlich zu

Im Jahr 2017 haben die untersuchten Unternehmen rund 690 Mio. Euro (+20% gegenüber Vorjahr) an die Eigentümer abgeführt. Werden die Ausschüttungen an den erzielten positiven Jahresüberschüssen gemessen, so errechnet sich eine Ausschüttungsquote von 76 %. Zu den Ausschüttungskaisern zählen Unternehmen wie Interspar, IKEA, DM, H & M und Porsche Austria.

Solide Eigenkapitalausstattung

Die Eigenkapitalausstattung und damit die Krisenfestigkeit der 204 untersuchten Unternehmen liegt im Jahr 2017 bei durchschnittlich 30,4 % und ist damit als zufriedenstellend zu bewerten. Der Großteil der Unternehmen verfügt über eine solide Eigenkapitalausstattung und hat ausreichende Reserven.

Umsatz und Produktivität pro Beschäftigten steigen um 1,3%

Der Personalaufwand (ohne Abfertigungen und Pension) gemessen am Umsatz liegt bei 11 %. Der erwirtschaftete Umsatz je ArbeitnehmerIn liegt bei durchschnittlich 357.932 Euro, das ist ein Plus von 5,1 %.

Die Angestellten und Lehrlinge im Handel sind die Leistungsträger dieser Umsatz- und Gewinnentwicklung. Auch sie müssen jetzt vom goldenen Herbst profitieren. Eine kräftige Gehaltserhöhung ist gerechtfertigt, leistbar und sichert die Kaufkraft, von welcher der Handel am meisten profitiert.