Ich arbeite im Home-Office

Im Zuge der Corona-Pandemie arbeiteten so viele Menschen in den eigenen vier Wänden, wie noch nie zuvor. Für manche stellt Home-Office eine willkommene Alternative zur täglichen Büroarbeit dar, es tun sich aber viele Fragen und Problemstellungen auf.

Was ist Home-Office?

Von Home-Office spricht man, wenn die Arbeit nicht am Firmenarbeitsplatz oder mobil (wie zum Beispiel bei VertreterInnen oder MonteurInnen), sondern von Zuhause aus erledigt wird.

Unter welchen Voraussetzungen kann ich im Home-Office arbeiten?

Generell muss Home-Office zwischen ArbeitgeberIn und ArbeitnehmerIn vereinbart werden. In Betrieben mit Betriebsrat kann Home-Office in einer Betriebsvereinbarung geregelt sein. Das bringt zusätzliche Vorteile, weil dort bessere Regelungen für die ArbeitnehmerInnen festgeschrieben werden können. Falls es in deinem Unternehmen noch keinen Betriebsrat gibt, hilft dir deine Gewerkschaft GPA gerne, einen zu gründen.

Gibt es spezielle gesetzliche Regelungen für die Bildschirmarbeit im Homeoffice?

Grundsätzlich gelten hier im Home-Office die gleichen Regelungen wie bei der Arbeit im Büro. Das betrifft insbesondere die Bestimmungen zur Bildschirmarbeitsbrille. Die vom der Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel müssen denselben Anforderungen zu entsprechen wie jene Arbeitsmittel, die in der Arbeitsstätte eingesetzt werden.

Ist der Arbeitgeber für die ergonomische Gestaltung meines Home-Office-Arbeitsplatzes verantwortlich?

Nein. Der Arbeitgeber ist nicht für die ergonomische Gestaltung von Tischen und Stühlen am Arbeitsplatz zuhause zuständig. Trotzdem solltest du darauf achten, dass dein Arbeitsplatz möglichst gesundheitsfreundlich gestaltet ist. Tipps für einen sinnvoll gestalteten Arbeitsplatz findest du hier. (LINK)

Ich arbeite ständig im Home-Office. Darf ich trotzdem den Betriebsrat wählen?

Ja. Die im Homeoffice tätigen Beschäftigten sind gleichermaßen als »im Rahmen eines Betriebes beschäftigte Personen«, wie es im Gesetz heißt, anzusehen und somit wahlberechtigt. Es kommt nicht auf die Nähe zu den betrieblichen Räumlichkeiten an, sondern auf das Vorliegen einer engen Beziehung zum Betrieb.

Darf mich mein Arbeitgeber zuhause besuchen, um zu sehen, ob ich ordentlich arbeite?

Nein. Arbeitgeber dürfen nicht in den Privatbereich ihrer Beschäftigten eindringen, das ergibt sich schon aus den Grundrechten.

Darf mein Chef mich digital kontrollieren?

Grundsätzlich haben ArbeitgeberInnen das Recht zu kontrollieren, ob die Arbeitsleistung erbracht wird. Je nachdem, wie dein Chef dich kontrollieren will, braucht es allerdings häufig die Zustimmung des Betriebsrats. Wenn du dir unsicher bist, frag lieber nach!

Darf mir mein Arbeitgeber vorschreiben, welches Gerät ich im Homeoffice verwenden muss?

Stellt der Arbeitgeber das Gerät zur Verfügung, liegt darin kein Problem. Wenn du das Gerät selbst anschaffen musst, ist die Sache meistens kritisch zu sehen. Frag sicherheitshalber bei deiner Gewerkschaft nach!

Was passiert, wenn während des Homeoffice ein Virus den Computer des Arbeitgebers befällt?

In diesem Fall stellen sich Fragen der Haftung. Wurden die vorgegebenen Sicherheitsstandards eingehalten und hast du den Computer bestimmungsgemäß verwendet, kannst du nicht für auftretende Störungen und Virenbefall im Computersystem verantwortlich gemacht werden. Diese Frage sollte jedoch jedenfalls in einer Betriebsvereinbarung geregelt werden.

Darf ich meine Arbeitsgeräte fürs Homeoffice auch privat nutzen?

Ob die Nutzung der vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Geräte auch für den Privatgebrauch zulässig ist, sollte Teil der Home-Office-Betriebsvereinbarung sein und muss jedenfalls geregelt werden. Wenn du dir unsicher bist, verwende das Dienstgerät besser nicht privat, bevor du dich erkundigt hast.

Welche Arbeitszeiten gelten im Home-Office?

Die zwischen ArbeitnehmerIn und ArbeitgeberIn im Arbeitsvertrag vereinbarten Arbeitszeiten gelten grundsätzlich auch im Home-Office. Hier gibt es keinen Unterschied zur Arbeit im Betrieb. Auch Gleitzeit ist möglich!

Was ist bei der Zeitaufzeichnung im Home-Office zu beachten?

Gerade bei der Arbeit von der eigenen Wohnung aus ist die Gefahr des Verschwimmens von Arbeitszeit und Freizeit besonders groß. Das österreichische Arbeitszeitrecht geht allerdings von einer strikten Trennung dieser beiden Bereiche aus. Außerdem sind Ruhezeiten von zumindest elf Stunden zwischen der Arbeitsniederlegung und der Arbeitsaufnahme an nächsten Tag einzuhalten. Im Home-Office ist es daher besonders wichtig, die Arbeitszeiten möglichst genau aufzuzeichnen und die Einhaltung der Mindestruhezeiten sicherzustellen.

Wie funktioniert Gleitzeit im Home-Office?

Grundsätzlich ist Gleitzeit auch im Home-Office möglich. Hier ist jedoch besonders darauf zu achten, dass die Abgrenzung zwischen Arbeitszeit und Freizeit bestehen bleibt und die Ruhezeiten von zumindest elf Stunden eingehalten werden. Darauf ist auch bei der selbstbestimmten Festlegung von Arbeitsbeginn und Arbeitsende zu achten.

Wann muss ich erreichbar sein?

ArbeitnehmerInnen müssen grundsätzlich nur während der vereinbarten Arbeitszeit erreichbar sein und sich für den/die ArbeitgeberIn bereithalten, nicht darüber hinaus. Sollen die Beschäftigten außerhalb der festgelegten Arbeitszeit erreichbar sein, muss Rufbereitschaft vereinbart (und die Zeiten entsprechend bezahlt) werden – das ist grundsätzlich an höchstens zehn Tagen pro Monat möglich.

Was, wenn ich zwar krank bin, aber theoretisch von zu Hause arbeiten könnte?

In Österreich liegt die Entscheidung darüber, ob eine Krankheit und eine damit verbundene Arbeitsunfähigkeit vorliegt, bei deinem Arzt oder deiner Ärztin. Liegt Arbeitsunfähigkeit und eine Krankmeldung vor, darf dein Arbeitgeber also nicht erwarten, dass im Home-Office gearbeitet wird.

Was, wenn ich einen Arzttermin habe?

Das Gesetz unterscheidet hier nicht zwischen Home-Office und Arbeit im Betrieb: Bist du aus wichtigen Gründen ohne Verschulden für eine verhältnismäßig kurze Zeit nicht in der Lage, die Arbeitsleistung zu erbringen, besteht Anspruch auf Fortzahlung des Entgelts. § 8 Abs 3 AngG kommt also auch im Home-Office zur Anwendung.

Wie ist das mit meinem Pendlerpauschale?

Damit das Pendlerpauschale in voller Höhe berücksichtigt werden kann, muss die Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte im Kalendermonat an mindestens elf Kalendertagen zurückgelegt werden. Wird an mindestens acht, aber nicht mehr als zehn Kalendertagen im Kalendermonat gependelt, steht das Pendlerpauschale zu zwei Dritteln zu. Wird die Strecke Wohnung-Arbeitsstätte an mindestens vier, aber nicht mehr als sieben Kalendertagen im Kalendermonat zurückgelegt, steht das Pendlerpauschale zu einem Drittel zu. Regelmäßiges Home-Office kann dazu führen, dass man die Schwellenwerte unterschreitet und sich dadurch der Anspruch vermindert. Um das zu verhindern wurde eine befristete Sonderregelung eingeführt, wonach bis 31.12.2020 das Pendlerpauschale vom Arbeitgeber weiterhin (im bisherigen Ausmaß) gewährt werden kann, auch wenn ArbeitnehmerInnen den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte aufgrund von COVID-19-Kurzarbeit, Telearbeit wegen der COVID-19-Krise bzw. Dienstverhinderungen wegen der COVID-19-Krise nicht (bzw. weniger oft) zurücklegen.

Die GPA hilft

GPA-Mitgliedern steht ein vielfältiges Beratungsangebot zu arbeitsrechtlichen Fragen zur Verfügung. Nicht-Mitglieder können unter 050301-301 eine kostenlose Erstberatung in Anspruch nehmen.