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Agenda 2030: Es gibt noch viel zu tun!

Vor einem Jahrzehnt wurden von der Generalversammlung der Vereinten Nationen die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs, Sustainable Development Goals) mit dem Ziel festgelegt, sie bis 2030 zu erreichen. Ein aktueller ILOSTAT-Bericht (Datenbank für Arbeitsstatistiken der ILO – Internationale Arbeitsorganisation) zeigt ein gemischtes Bild von langsamem Fortschritt bis zu gänzlichem Stillstand.

Working poor: Arbeit schützt nicht überall vor Armut

Im Jahr 2025 lebten immer noch 284 Millionen Arbeitnehmer:innen – 7,9 Prozent der weltweit erwerbstätigen Bevölkerung – in extremer Armut und verdienten weniger als 3 US-Dollar pro Tag. Die weltweite Quote ist seit 2015 leicht gesunken, doch regionale Unterschiede bleiben groß. In Subsahara-Afrika und den am wenigsten entwickelten Ländern sind rund 40% der Arbeitnehmer:innen erwerbstätige Arme. In den Binnenentwicklungsländern und Ozeanien lebt fast jede:r dritte Erwerbstätige in extremer Armut. Diese Zahlen unterstreichen, dass Zugang zu Beschäftigung notwendig, aber keine ausreichende Garantie für die Überwindung von Armut und wirtschaftliche Sicherheit ist.

Frauen: weniger Lohn, weniger Führungsaufgaben, anhaltende Ungleichheit

Im Jahr 2025 verdienten Frauen weltweit 52,4% des gesamten Arbeitseinkommens der Männer. Diese Lücke zeigt die Unterschiede beim Lohn, die geringere Erwerbsquote sowie die vermehrte Tätigkeit in schlechter bezahlten Branchen und Positionen.

Frauen machen 40,1% der Beschäftigten aus, aber im Jahr 2025 weltweit nur 30,5% der Führungspositionen. Dies ist zwar ein Anstieg gegenüber 2015, doch bei der derzeitigen Veränderungsrate bleibt die Geschlechterparität in Führungspositionen eine ferne Perspektive. In Zentral- und Südasien ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen gesunken.

Zur anhaltenden Ungleichheit tragen ungleicher Zugang zu Bildung, die unverhältnismäßige Belastung durch unbezahlte Pflegearbeit, intransparente Lohnstrukturen sowie eine schwache Durchsetzung von Antidiskriminierungsvorschriften bei.

Jede:r fünfte Jugendliche ist ohne Ausbildung oder Beschäftigung

Der weltweite Anteil junger Menschen, die weder in Beschäftigung noch in Ausbildung sind, liegt aktuell bei 20% im Jahr 2025 und wird in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich steigen.  In Westasien und Nordafrika betrifft dies sogar mehr als jede:n vierte:n Jugendliche:n. Ein früher Ausschluss von Beschäftigung und Bildung geht mit langfristigen negativen Auswirkungen auf die berufliche Laufbahn einher.

Keine soziale Absicherung für die Hälfte der Weltbevölkerung

Zum ersten Mal ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung (52,4%) durch mindestens eine Sozialleistung abgesichert, gegenüber 42,8% im Jahr 2015. Trotz dieser Fortschritte bleiben 3,8 Milliarden Menschen ungeschützt. Länder mit hohem Einkommen nähern sich einer flächendeckenden Versorgung, während Länder mit niedrigem Einkommen nur 9,7% erreichen – ein Wert, der sich seit 2015 kaum verändert hat.

Schrumpfender Anteil der Arbeit am BIP

Der Anteil des BIP, der den Arbeitnehmer:innen zufließt, ist zurückgegangen. Wenn Produktivitätsgewinne mehr dem Kapital als den Löhnen zugutekommen, wird die Verteilung des Wachstums ungleicher. Am stärksten war der Rückgang im Jahr 2023, während der inflationären Phase nach der Pandemie. Neuere Daten deuten auf eine teilweise Erholung hin, da die Reallöhne in einigen Regionen wieder aufzuholen beginnen.

Verschlechterung bei Einhaltung der Arbeitnehmer:innenrechte

Ein Indikator des SDG-Ziel 8 für menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum misst die Einhaltung der Vereinigungsfreiheit und des Rechts auf Tarifverhandlungen auf nationaler Ebene. Ostasien und Südostasien verzeichnen die insgesamt schlechtesten Werte, während es in Lateinamerika und der Karibik seit 2015 die stärkste Verschlechterung gab, gefolgt von Europa und Nordamerika. Wo Arbeitnehmer:innenrechte geschwächt sind, ist auch der soziale Dialog schwach, der eine inklusive Politikgestaltung, Lohngleichheit und eine breitere wirtschaftliche Stabilität unterstützt.

Nur noch fünf Jahre

All diese Herausforderungen auf den Arbeitsmärkten sind miteinander verknüpft, nirgendwo tritt eines der Themen isoliert auf. Weniger als fünf Jahre verbleiben, doch die Entwicklung der letzten zehn Jahre deutet in vielen Bereichen eher weg von den Zielen als hin zu ihnen. ILOSTAT wird die letzten Jahre der SDG-Ära weiter unter die Lupe nehmen.