GPA-Konzerneforum: EU-Rahmen nutzen, Spielräume sichern
In den letzten Jahren wurden einige EU-Richtlinien verabschiedet, die neue Möglichkeiten für Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit eröffnen. Im Rahmen des 25. GPA Konzerneforums am 10. Februar haben wir zwei dieser Richtlinien unter die Lupe genommen, die auf betrieblicher Ebene bereits eine Rolle spielen: Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Lohntransparenz-Richtlinie.
Die Vorträge und Diskussionen sollten den Teilnehmer:innen zeigen, wie diese Rechtsakte als Hebel für die praktische Arbeit im Betrieb genutzt werden können. Denn wer die Regelungen früh überblickt, kann Spielräume besser nutzen, wie auch GPA-Vorsitzende Barbara Teiber in ihren Grußworten schilderte.
Nachhaltigkeitsberichterstattung: Worum geht es und wie können wir sie nutzen?
Aline Hoffmann vom Europäischen Gewerkschaftsinstitut brachte den Teilnehmer:innen die Nachhaltigkeitsberichterstattung näher und bekräftigte, dass Nachhaltigkeitsberichte relevante Daten für uns als Gewerkschafter:innen und Betriebsrät:innen liefern. Sie stellen ein zusätzliches Instrument dar, um mit der Geschäftsleitung über Arbeitnehmer:innenfragen zu diskutieren. Anhand von Beispielen zeigte sie, wie man sich in vier Schritten praktisch dem Nachhaltigkeitsbericht annähert und worauf man im Betriebsrat besonders achten sollte.
Anschließend teilte Sophia Reisecker, Leiterin der GPA Abteilung Europa & Internationale Beziehungen, Tipps und Beispiele, wie man das Thema Nachhaltigkeitsberichte als Betriebsrat proaktiv bearbeiten kann – von strategischem Nachfragen über Schwerpunktsetzung bis zur Aufarbeitung des eigenen Unternehmensberichts mittels KI – und wie aufschlussreich Vergleiche mit anderen Unternehmen sein können.
Lohntransparenz-Richtlinie: Umsetzung in Österreich und Handlungsempfehlungen für Betriebsräte
Nach der Mittagspause, die wie immer am Konzerneforum zu regem Austausch und Vernetzung genutzt wurde, stellte Laura Šukarov-Eischer aus der GPA Abteilung Europa & Internationale Beziehungen, die Lohntransparenz-Richtlinie vor. Sie beleuchtete die Hintergründe und Entwicklung der Richtlinie und zeigte den hohen Gender Pay Gap in Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern. Es wurde deutlich, dass nur rund ein Drittel des Gaps durch eine Reihe von Faktoren wie Arbeitszeit, Bildungsgrad etc. erklärt werden kann, die anderen zwei Drittel jedoch Diskriminierung zugerechnet werden müssen, wofür die neue Richtlinie Abhilfe schaffen könnte.
Nach einem Blick in die wesentlichen Punkte der Richtlinie ging es weiter mit dem aktuellen Stand der Umsetzung in Österreich, vorgestellt durch Michael Gogola, Leiter der GPA Bundesrechtsabteilung. Er zeigte die bestehenden nationalen Regelungen auf und wie diese in Zukunft ergänzt bzw. geändert werden. Weiters ging er auf Rechte und Schutz der Arbeitnehmer:innen anhand der neuen Richtlinie ein und erörterte Möglichkeiten für Betriebsräte, mit dieser zu arbeiten.
Abschließend gaben die beiden Expert:innen Empfehlungen für den Umgang mit der aktuellen Situation und strichen einige Prioritäten in der Vorbereitung auf die Umsetzung für Betriebsräte heraus.
Zwischen Deregulierungsdruck und Erhalt wichtiger Standards
Die EU-Kommission von der Leyen II hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bürokratie in Europa signifikant abzubauen und zu vereinfachen. Hinter dieser sinnvollen Idee stehen aber zum Teil Bestrebungen, wichtige, aber für Unternehmen ungemütliche Standards abzubauen. Das betrifft etwa den Bereich der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit, aber auch Digitales und Arbeitsschutz. Deshalb warnen die Europäischen Gewerkschaften dringend vor einer als „Vereinfachung“ verkleideten Deregulierung.
Heidrun Maier-de Kruijff (Geschäftsführerin des Verbands öffentlicher Wirtschaft und Gemeinwirtschaft), David Hafner (Leiter des ÖGB Europabüros) und Sarah Bruckner (AK Abteilung EU und Internationales) diskutierten über das Spannungsfeld zwischen Deregulierungsdruck und Weiterentwicklung bzw. Erhalt wichtiger Standards.
Die Diskussion zeigte vielfältige Perspektiven: Heidrun Maier-de Kruijff betonte, dass es aktuell eine sinnvoll angelegte Vereinfachung braucht, die keine Standards senkt. Außerdem sei es gerade jetzt sehr wichtig, endlich an den „großen Hebeln“ anzusetzen, wie faire Regeln auch für nicht-europäische Unternehmen, die an unseren Markt wollen oder das Schließen der Investitionslücke. David Hafner zitierte eine Kommissionsberechnung, der zufolge die aktuellen Vereinfachungspakete den Unternehmen 12 Mrd. Euro Einsparungen bringen. Ein Tropfen auf dem heißen Stein des eigentlichen Investitionsbedarfs. Auch Sarah Bruckner stellte fest, dass echte Vereinfachung zu begrüßen wäre. Diese würde aber alle, also Gewerkschaften, Arbeitgeber:innen und Zivilgesellschaft, an einen Tisch holen, um einen Interessensausgleich mit dem Ziel der Angleichung nach oben zu erreichen.
Neues Konzernekoordinationsteam gewählt
Beim 25. Konzerneforum wurde ein neues Konzernekoordinationsteam erstmalig für die Funktionsperiode von 2,5 Jahren gewählt. Die verlängerte Funktionsperiode soll kontinuierliche Zusammenarbeit und längerfristige Projekte ermöglichen. Michael Wobornik, Zentralbetriebsrat bei Magenta, ist der neue Konzernekoordinator; seine Stellvertreter:innen sind Monika Kies, Vorsitzende des Europäischen Betriebsrates bei Pfizer, und Christoph Kuterna, Mitglied der Konzernvertretung bei Mondi. Das neue Team wird bis 2028 die GPA Konzernearbeit mitgestalten.