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Pflegepolitik ist Zukunftspolitik

Am Donnerstag stimmten wir im Europäischen Parlament über einen Bericht zur Zukunft von Pflege und Betreuung in Europa ab. Dabei geht es um nichts weniger als die Frage, wie wir Pflege in Zukunft in Europa organisieren wollen und welchen Stellenwert wir ihr als Gesellschaft geben.

Luiza Puiu

Im Zentrum steht die Idee einer europäischen Pflege- und Betreuungsgesellschaft. Konkret heißt das, dass wir bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne im Pflegebereich, mehr öffentliche Investitionen in Kinderbetreuung und Langzeitpflege, stärkere Unterstützung für pflegende Angehörige und endlich wirksame Maßnahmen gegen die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen brauchen.

Für mich zeigt dieser Bericht sehr klar, dass Pflege keine private Randfrage einzelner Familien ist, sondern eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, die wir gemeinsam tragen müssen.

Pflege hält unsere Gesellschaft zusammen

Pflege und Betreuung sind etwas, das oft im Hintergrund passiert und doch alles zusammenhält. Ob im Krankenhaus, im Pflegeheim, im Kindergarten oder zu Hause. Millionen Menschen, vor allem Frauen, leisten täglich Arbeit, ohne die unser Zusammenleben nicht funktionieren würde. Und trotzdem erlebe ich immer wieder, dass genau diese Arbeit zu wenig gesehen wird. Sie ist oft schlecht bezahlt, mit enormem Druck verbunden und politisch nicht immer ausreichend abgesichert. Das passt aus meiner Sicht nicht zusammen. denn wer gute Pflege will, muss auch gute Bedingungen für die Menschen schaffen, die sie leisten.

Frauen tragen noch immer die Hauptlast

Nach wie vor leisten Frauen den Großteil der unbezahlten Pflege- und Betreuungsarbeit. Das hat konkrete Folgen für Einkommen, Karrierechancen und Pensionen. Der Gender Pension Gap liegt EU weit bei 24%! Um Pflegearbeit leisten zu können, reduzieren viele ihre Arbeitszeit oder steigen ganz aus dem Beruf aus, weil Betreuungsangebote fehlen oder Pflege in der Familie aufgefangen werden muss. Das ist keine individuelle Entscheidung im luftleeren Raum, sondern eine strukturelle Frage.

Darum ist Pflegepolitik für mich immer auch Gleichstellungspolitik. Sorgearbeit darf nicht still auf Frauen abgewälzt werden, sondern muss endlich als gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung verstanden werden.

Öffentliche Investitionen statt privater Überlastung

Gute Pflege darf nicht davon abhängen, wo man lebt oder wie viel man verdient. Gerade in ländlichen Regionen fehlen oft ausreichende Angebote mit der Folge, dass Familien unter Druck geraten und Beschäftigte an ihre Belastungsgrenzen kommen. Deshalb brauchen wir starke öffentliche Systeme, verlässliche Kinderbetreuung, gut ausgebaute Langzeitpflege und echte Unterstützung für pflegende Angehörige. Das sind keine „Kosten“, sondern Investitionen in sozialen Zusammenhalt, Gleichstellung und gute Arbeit.

Pflege ist Zukunftspolitik

Wir stehen in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen wie eine alternde Gesellschaft, steigender Pflegebedarf und gleichzeitig Fachkräftemangel.

Umso wichtiger ist es, dass wir Pflege nicht länger als Nebenthema behandeln. Wenn wir soziale Gerechtigkeit ernst nehmen, dann müssen wir der Pflege endlich die politische Priorität geben, die sie verdient und genau deswegen hat das EU Parlament diesen Bericht beschlossen.