Studie: Franchising als Smartes Geschäftsmodell mit Schattenseiten für Beschäftigte
Ob beim Einkauf im Supermarkt, im Fast-Food-Restaurant oder an der Tankstelle: Kund:innen sehen dasselbe Markenlogo, doch für Beschäftigte können völlig unterschiedliche Arbeitsbedingungen dahinter stecken. Der Unterschied liegt oft in der Eigentumsstruktur: Ist die Filiale im direkten Eigentum des Konzerns oder wird sie als Franchise geführt? Eine aktuelle Studie der europäischen Dienstleistungsgewerkschaft UNI Europa zeigt alarmierende Unterschiede für die Beschäftigten.
Franchising: Win-Win oder verstecktes Risiko?
Franchising gilt als smartes Geschäftsmodell: Unternehmen können mit geringem Kapitaleinsatz expandieren, Franchisenehmer:innen profitieren von etablierten Marken, erprobten Konzepten und bestehender Infrastruktur wie Marketing oder Schulungen. Doch hinter dieser scheinbaren Win-Win-Situation verbirgt sich eine problematische Realität.
Der Druck auf Franchisenehmer:innen
Franchisenehmer:innen stehen durch oft restriktive Vertragsbedingungen unter massivem Druck: Sie müssen teils ausschließlich bei teuren Franchisegeber-Zulieferern einkaufen, hohe Lizenzgebühren zahlen und tragen das volle unternehmerische Risiko während ihre Handlungsspielräume stark eingeschränkt sind. In manchen Fällen führt das dazu, dass Franchisenehmer:innen kaum profitabel wirtschaften können.
Die Rechnung zahlen die Beschäftigten
Dieser Druck landet direkt bei den Beschäftigten. Der UNI Europa-Report „Fragmented Retail, Fragmented Rights“ zeigt: Die Franchisegeber sichern sich stabile Einnahmen, die Franchisenehmer:innen kämpfen ums Überleben, und die Beschäftigten zahlen den Preis durch niedrigere Löhne, befristete Verträge und reduzierte Sozialleistungen.
Fragmentierte Rechte: Zentrale Ergebnisse der Studie
Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse zu der Arbeitsrealität im Franchisebetrieb:
- Franchisebeschäftigte arbeiten fast überall unter schlechteren Bedingungen: Verträge mit Befristungen oder variablem Stundenausmaß, ungeregelte Arbeitszeiten, schwächere Gesundheits- und Sicherheitsstandards, auch Löhne, Zulagen und Kündigungsschutz sind in Franchisefilialen meist schlechter.
- Aufstieg erschwert: Weil die Anbindung von Beschäftigten an den Konzern schlecht ist, gibt es kaum Möglichkeiten, im Unternehmen außerhalb des eigenen Standorts aufzusteigen.
- „Union Busting“ und seine legalen Varianten: Die Fragmentierung der Beschäftigten zeigt sich auch im Fehlen von Betriebsräten bzw. Betriebsgewerkschaften, die in Franchisefilialen deutlich häufiger bekämpft werden. Das Gründen von Körperschaften ist insbesondere auf der überbetrieblichen Ebene erschwert, da Schwellenwerte, die der Konzern zweifellos erreicht, beim Franchisenehmer unterschritten sind.
- Flucht aus kollektiven Vereinbarungen: Außerdem nutzen zahlreiche Franchisenehmer:innen ihre rechtliche Eigenständigkeit als Grund, Kollektivverträge und andere kollektive Vereinbarungen, die im Konzern gelten, nicht anzuerkennen.
Die Macht der Konzerne bleibt unsichtbar
Während die rechtliche Verantwortung zersplittert wird, behalten die Franchisegeber die tatsächliche Kontrolle über entscheidende Arbeitsbedingungen. Sie bestimmen oft über Öffnungszeiten, Personalbemessung, IT-Systeme und Arbeitsabläufe, können dafür aber nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Betriebsrät:innen stehen dem einzelnen Franchisenehmer gegenüber, während die Konzernleitung als eigentlicher Akteur im Hintergrund bleibt. So wird nicht nur die Verhandlungsmacht der Beschäftigten geschwächt, sondern auch die Grundprinzipien der betrieblichen Mitbestimmung ausgehebelt.
Gewerkschaftliche Organisation als Antwort
Eine derartige Fragmentierung muss aber nicht sein. Auch wenn Beschäftigte in Franchisenetzwerken formal unterschiedliche Arbeitgeber haben, ist die Vernetzung über Standorte hinweg wichtig und sinnvoll. Tatsache ist: Hinter derselben Marke steht ein und dieselbe Konzernleitung und trägt Verantwortung für die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen. Als Gewerkschafter:innen können wir einer solchen Konzernleitung den notwendigen Ruck geben, diese Verantwortung wahrzunehmen.