Tag der Arbeit: Der 1. Mai bei unseren Nachbarn
Am 1. Mai wird weltweit der Tag der Arbeit gefeiert. Wie feiern ihn eigentlich unsere Nachbar:innen in Italien, Ungarn und Deutschland?
Italien: Primo Maggio und die Festa dei Lavoratori
In den letzten Jahren hat das Lied „Bella Ciao“ in den internationalen Charts große Erfolge erzielt. Es stammt aber eigentlich aus der antifaschistischen Arbeiter:innenbewegung Italiens – und dort starten wir unser „Maispecial“.
Die ersten Demonstrationen und Feierlichkeiten rund um den Tag der Arbeit gab es in Italien im späten 19. Jahrhundert. In den 20 Jahren des italienischen Faschismus von 1923 bis 1943 wurden Demonstrationen anlässlich des 1. Mai verboten und alternativ der 21. April gefeiert, das Gründungsdatum von Rom. Als Zeichen des Widerstandes blieben viele Beschäftigte am 1. Mai dennoch der Arbeit fern.
Seit 1946 ist der 1. Mai in Italien wieder ein Feiertag. Heute gibt es vielerorts Veranstaltungen, Demonstrationen, Feste und Konzerte. Sie werden teilweise von Gewerkschaften und teilweise von anderen gemeinnützigen Vereinen organisiert. Insbesondere in Süditalien wird der Tag der Arbeit auch in Verbindung mit religiösen und in der landwirtschaftlichen Tradition wurzelnden Festen gefeiert.
Die vielleicht größte und damit „zentrale“ Veranstaltung zum 1. Mai kommt in Italien von den Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL. Sie organisieren seit 1990 ein jährliches Konzert bei freiem Eintritt in Rom, das auch vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Radio übertragen wird. Die ganztägige Veranstaltung steht unter einem jährlich wechselnden Motto, heuer lautet es: „Die Zukunft gehört noch immer uns!“
Ungarn: Munka ünnepe im „Liget“
Im Jahr 1890 organisierte die ungarische Gewerkschaftsbewegung die erste Demonstration anlässlich des Munka ünnepe, des Tages der Arbeit, und zwar im Budapester Stadtpark Városliget, Spitzname „Liget“. Mit einigen Unterbrechungen wurde dort seither der 1. Mai gefeiert, aber durch die Jahrzehnte hindurch in sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Bis zum Ende des Kommunismus in Ungarn (1946-1989) war die Teilnahme an 1. Mai-Paraden für viele Menschen „Pflichtprogramm“, wenn auch diese „Pflicht“ mit unterschiedlicher Härte eingefordert wurde. Auch nach 1989 wurde dieses Feiern fortgesetzt, Gewerkschaften organisierten weiterhin Demonstrationen und Feste.
2026 wird der Tag der Arbeit erstmals seit 80 Jahren nicht im Budapester Stadtpark abgehalten werden. Die Orbàn-nahe Parkverwaltung verweigerte die Genehmigung trotz Appells des Budapester Bürgermeisters Gergely Karácsony. Verglichen mit der erheblichen Einschränkung von Gewerkschaftsrechten, die die Orbàn -Regierungen betrieben haben, ist das aber nur eine kleine Herausforderung: Der Gewerkschaftsbund MaSZSZ veranstaltet das Fest nun kurzerhand vor der eigenen Zentrale unter dem Motto: „Wir Beschäftigte halten das Land am Laufen!“
Deutschland: DGB organisiert dezentral
In unserem nördlichen Nachbarland sind die Kolleg:innen vom Deutschen Gewerkschaftsbund hauptzuständig für die Feierlichkeiten rund um den 1. Mai. Mehr als 330 Kundgebungen, Demonstrationen und Feste werden der DGB und seine Fachgewerkschaften am Tag der Arbeit in ganz Deutschland organisieren.
An seinem Beginn war der Tag der Arbeit in Deutschland ein Feiertag von sozialistischen und kommunistischen Parteien. 1890 wurde er erstmals als „Tag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen, wobei etwa 100.000 Menschen spontan gegen schlechte Arbeitsbedingungen und miserable Löhne streikten. Anders als das Schwesternregime in Italien entschieden sich die Nationalsozialisten in Deutschland gegen ein Verbot von Veranstaltungen zum 1. Mai. Vielmehr versuchte man, sich als nationale Arbeiterbewegung zu verkaufen und den Tag der Arbeit für sich zu vereinnahmen. Gleichzeitig wurden die deutschen Gewerkschaften zerschlagen und unzählige Gewerkschafter:innen ermordet.
Im geteilten Deutschland nach 1945 waren es im Westen die Gewerkschaften, die Demonstrationen und Kundgebungen organisierten, während im Osten staatlich koordinierte Versammlungen stattfanden. Ab 1990 riefen die Gewerkschaften West- und Ostdeutschlands zu gemeinsamen Demonstrationen auf.
Durch die Jahrzehnte hindurch bewegten sich die inhaltlichen Schwerpunkte des 1. Mai im Themendreieck Arbeit, Frieden und soziale Sicherheit. 2026 lautet das Motto: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite!“