Tag der Arbeit: Warum eigentlich der 1. Mai?
In Österreich ist der erste Mai schon lange ein Feiertag. Es ist der Tag der Arbeiter:innenbewegung und eine Gelegenheit, auf vergangene und neue Kämpfe und Errungenschaften zu blicken. Aber warum tun wir das ausgerechnet am 1. Mai?
1884: Streik am “Moving Day”
1884 hatten Gewerkschafter:innen in den USA für den 1. Mai zum mehrtägigen Generalstreik aufgerufen. Sie kämpften für eine Verkürzung der Arbeitszeit und faire Löhne. Die Wahl fiel auf diesen Tag, weil Ende April traditionell viele Arbeitsverträge endeten, von denen zahlreiche die Laufzeit von nur einem Jahr hatten. An diesen Rhythmus passten sich in der Folge auch Miet- und andere Verträge an, denn man ging davon aus, dass Arbeiter:innen ohnehin nach einem Jahr entweder ohne Arbeitsplatz und Lohn dastehen oder zum neuen Arbeitsort umziehen müssen. Wer Glück hatte, konnte Job und Wohnort für ein weiteres Jahr „verlängern“, das betraf aber nur eine Minderheit.
So bekam der 1. Mai den Spitznamen „Moving Day“. Für den Streik wurde er wohl ausgewählt, weil dieser erzwungene Umzug vielen Arbeiter:innen und ihren Familien ins Bewusstsein holte, unter welchen Bedingungen sie arbeiteten und wie gering teilweise der Respekt dafür war.
1886: Generalstreik unter geänderten Bedingungen
1886 wurde der „Moving Day“, der 1. Mai, erneut für einen Generalstreik ausgewählt. In der Zwischenzeit hatte es auch Streiks gegeben, auf die Arbeitgeber mit zunehmender Härte reagierten: Drohungen, Aussperrungen, Massenkündigungen.
Am 1. Mai 1886 fand nun der zweite Generalstreik in den USA statt. Jetzt reagierte aber die Polizei mit neuer Härte und es kam zu teils heftigen Auseinandersetzungen. In Chicago eskalierten die Proteste der Gewerkschafter:innen besonders heftig. Nachdem jemand eine Bombe in die Menge warf, eröffnete die Polizei das Feuer.
1886: Systematische Verfolgung von Gewerkschafter:innen
Der Bombenwerfer konnte nicht identifiziert werden, aber es kam zu mehreren Festnahmen. In der Folge wurden Gewerkschaftsbüros und Zeitungsredaktionen durchsucht. Mehrere Gewerkschaftsführer wurden zum Tode verurteilt und eines der Urteile wurde vollstreckt.
Bereits 1886 war klar, dass diese Todesurteile politisch motiviert sind, denn die juristischen Kriterien für eine Todesstrafe waren mangels Beweisen nicht gegeben.
1890: Gedenktag entsteht
Infolgedessen beschlossen Gewerkschafter:innen, Sozialist:innen und Kommunist:innen, den 1. Mai 1890 als Gedenktag zu begehen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass der Tag zum internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiter:innenbewegung werden würde. Dies zeigten erst erfolgreiche jährliche Versammlungen und Proteste weltweit.
USA: Von Generalstreiks am 1. Mai zum Labor Day im September
Da zumindest ein Teil der Wurzeln des Tages der Arbeit am 1. Mai in den USA liegt, lohnt sich auch ein Blick dorthin.
Angesichts der erstarkten und offensichtlich kämpferischen Arbeiter:innenbewegung sah auch die US-Regierung ein, dass man die Gewerkschaftsforderung nach einem freien Feiertag der Arbeit nicht ignorieren kann. Der 1. Mai war dafür eine naheliegende Option, allerdings war seine Verknüpfung mit sozialistischen und kommunistischen Idealen der US-Politik ein Dorn im Auge. Alternativ entschied man sich für das kanadische Modell, wo einige Male am ersten Montag im September Gewerkschaftsparaden stattgefunden hatten.
Heute wird die nordamerikanische und australische Version des Tages der Arbeit nicht am 1. Mai, sondern am ersten Montag im September, dem „Labor Day“ gefeiert.