Wenn Unternehmen scheitern, lässt die Europäische Union die Beschäftigten nicht im Stich!
Als KTM im vergangenen Jahr in die Insolvenz gerutscht ist, verloren rund 1.000 Menschen ihre Arbeit. Hinter diesen Zahlen stehen Einzelschicksale: Familien, deren Existenz plötzlich unsicher wird, oder Menschen, die nach Jahren harter Arbeit vor einer ungewissen Zukunft stehen. Für 420 dieser Betroffenen hat das Europäische Parlament nun 1,8 Millionen Euro aus dem Europäischen Globalisierungsfonds (EGF) bereitgestellt.
Dieser Fonds ist ein zentrales Instrument europäischer Solidarität. Er greift immer dann, wenn viele Arbeitsplätze gleichzeitig verloren gehen, und unterstützt konkret durch individuelle Beratung, Umschulungen, Weiterbildungen oder Hilfe bei der Jobsuche. Es geht nicht nur um finanzielle Hilfe, sondern vor allem um Perspektiven. Der EGF ermöglicht einen echten Neustart und zeigt, dass die Europäische Union mehr ist als ein Binnenmarkt. Sie ist eine Gemeinschaft, die in schwierigen Zeiten zusammensteht.
Doch so wichtig diese Unterstützung ist, macht der Fall KTM auch ein strukturelles Problem deutlich. Während der COVID-Krise erhielt das Unternehmen millionenschwere öffentliche Hilfen, also Steuergelder, die dazu gedacht waren, Arbeitsplätze zu sichern und Stabilität zu gewährleisten. Gleichzeitig wurden jedoch Dividenden an Investor:innen ausgeschüttet und Teile des Unternehmens ins Ausland verlagert.
Das ist ein Missverhältnis, das viele Menschen zu Recht als ungerecht empfinden. Gewinne werden privatisiert, während Verluste am Ende von der Allgemeinheit getragen werden. Dieses Prinzip untergräbt das Vertrauen in Wirtschaft und Politik gleichermaßen.
Deshalb braucht es klare und verbindliche Regeln. Wenn öffentliche Gelder fließen, dürfen sie nicht bedingungslos vergeben werden. Sie müssen an konkrete Auflagen geknüpft sein, wie den Erhalt von Arbeitsplätzen, verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln und den Verzicht auf Standortverlagerungen zulasten der Beschäftigten. Wer von staatlicher Unterstützung profitiert, muss auch Verantwortung gegenüber der Gesellschaft übernehmen.
Gleichzeitig zeigt dieser Fall aber auch, dass die Europäische Union handlungsfähig ist. Der Globalisierungsfonds hilft schnell und gezielt und genau dort, wo Unterstützung gebraucht wird. Er steht sinnbildlich für europäische Solidarität in der Praxis.
Jetzt kommt es darauf an, beides zusammenzudenken: konsequente Hilfe für die Betroffenen und gerechte, zukunftsorientierte Regeln für Unternehmen. Denn nur so entsteht Vertrauen und nur so kann Europa seiner sozialen Verantwortung gerecht werden.
Ein starkes Europa ist immer auch ein soziales Europa.