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Betriebsrät:innen-Befragung zur Bildungsarbeit

Die Corona-Zeit hat auch die Bildungsarbeit in der Gewerkschaft GPA vor große Herausforderungen gestellt. Eine Fortführung der Seminarangebote in gewohnter Weise war unmöglich, schnelle Reaktion und das Organisieren alternativer Onlineangebote waren genauso gefragt wie Anstrengungen, so bald wie möglich auch wieder Seminare in gewohnten Präsenzformaten anbieten zu können.

Die Pandemiezeit brachte einen Mix von Seminaren und Online-Veranstaltungen (ab Mai 2020), aber auch das vermehrte Manövrieren mit Terminverschiebungen und lockdownbedingten Absagen von Präsenzseminaren.

Diese Veränderungen in der GPA-Bildungsarbeit haben Fragen zur weiteren Planung der Bildungsangebote aufgeworfen, u.a. die nach Auswirkungen neuer Onlineangebote und veränderter Bedingungen in der Betriebsratsarbeit (Stichwort: Home-Office) auf den Bildungsbedarf und die Nachfrage von Betriebsrät:innen.

Um uns dazu ein Bild der Veränderungen zu verschaffen, haben wir als GPA Bildung im September 2022 ca. 4.500 Betriebsrät:innen, die 2018-2022 an Seminaren/Webinaren der GPA Bildungsabteilung teilgenommen haben, eingeladen, sich an einer Onlinebefragung unserem Bildungsangebot zu beteiligen.

  • Knapp 20 Prozent der Angeschriebenen haben den detaillierten Fragebogen vollständig ausgefüllt (davon 41 Prozent Frauen und 59 Prozent Männer).

Im Folgenden einige zentrale Ergebnisse und Schlussfolgerungen für die Organisation der weiteren GPA-Bildungsarbeit:

 

Verschiebung bei Teilnahmen an Präsenz- und Onlineangeboten

Im genannten Zeitraum haben die Teilnehmer:innen an der Befragung wie folgt an Bildungsformaten teilgenommen:

  • 71 Prozent sowohl an Präsenz- als auch an Onlineangeboten
  • 22 Prozent nur an Seminaren in Präsenz
  • 7 Prozent nur an Onlineangeboten

Im Schnitt haben die befragten Betriebsrät:innen 4,5 Veranstaltungen seit 2018 besucht, also 1 pro Jahr. 23 Prozent der Befragten kamen auf 1-3 Veranstaltungen. 29 Prozent haben 4-6 Teilnahmen angegeben. 20 Prozent haben 7-9, weitere 20 Prozent 10-15 Bildungsangebote besucht und immerhin 7,6 Prozent seit 2018 mehr als 15, im Schnitt also etwa 3,5 Veranstaltungen pro Jahr.

 

Freistellung als gewichtiger Faktor für den Kompetenzerwerb

Wenig überraschend hat v.a. die Funktion im Betriebsrat sowie eine etwaige Freistellung, aber auch Betreuungspflichten, die Branchenzugehörigkeit und das Bundesland einen Einfluss darauf, wer wie viel Bildungsangebote in Anspruch nimmt.

  • So machen freigestellte Betriebsrät:innen allein 60 Prozent all jener aus, die auf 9-12 Teilnahmen im untersuchten Zeitraum kommen, obwohl die Gruppe der Freigestellten unter allen Befragten nur 28 Prozent ausmacht.
  • Nach Funktion waren 46 Prozent der Befragten Betriebsratsvorsitzende, 22 Prozent
    stv. Vorsitzende und 28 Prozent einfache Betriebsratsmitglieder. 

Die Befragung liefert zudem Daten über die Altersgruppen und mit den Rückmeldungen dazu, ob die Kolleg:innen Betreuungspflichten unter einen Hut bringen müssen, wertvolle Rückschlüsse für die Bildungsorganisation.

  • 17 Prozent geben an, durch Betreuungspflichten deutlich in der Möglichkeit eingeschränkt zu sein, sich Bildungsangeboten zu widmen.
  • 22 Prozent geben geringe Einschränkungen wegen Betreuungspflichten an.
  • Diese Faktoren spielen auch in den Angaben zu bevorzugten Bildungsformaten zwischen Präsenz und Online eine signifikante Rolle.

 

Onlineangebote verbreitern Möglichkeit zur Bildungsteilnahme

Die Betrachtung von 2018 bis 2022 zeigt, dass sich die Teilnahme an Veranstaltungen in Präsenz und Online fast die Waage hielten, mit leichten Plus bei Präsenz.

Mit Online ergaben sich folgende tendenzielle Veränderungen bei den TN:

  • vermehrt jüngere Teilnehmer:innen;
  • Erhöhung des Frauenanteils unter den Teilnehmer:innen;
  • mehr Betriebsrät:innen ohne Freistellung und
  • mehr Teilnehmer:innen aus Regionen mit größerer Entfernung zu Wien.

 

Rückmeldungen zu favorisierten Veranstaltungsformaten 

Ein zentrales Ergebnis der Befragung hinsichtlich der angebotenen Formate ist der mehrheitliche Wunsch, dass sich Präsenz- und Onlineangebote in Zukunft mehr oder weniger gleichrangig im GPA-Bildungsprogramm wiederfinden sollen:

  • am sinnvollsten bewertet wurden eintägige Präsenzveranstaltungen,
  • dicht gefolgt von kurzen Webinaren,
  • mit etwas Abstand aber immer noch über 50 Prozent Zuspruch, halbtägige Onlineangebote und mehrere Tage in Präsenz,
  • nur wenige Befragte können sich ganztägige Onlineveranstaltungen oder Blended Learning-Formate (Präsenz- und online gemischt) begeistern.

Wie schon angedeutet, spielen Funktion, Freistellung, Betreuungspflichten, aber auch Alter, Branchen und die Entfernung von Wien eine Rolle in der Bewertung der Formate. In den Textfeldern, die durch den gesamten Fragebogen mit weiteren Informationen, Fragen und Wünschen ausgefüllt wurden, findet sich viel Diskussion zur Ambivalenz von Online vs. Präsenz.

  • Oft wird dabei angesprochen, dass kurze Webinare ideal für schnelle Informationsvermittlung seien,
  • während gleichzeitig Kontaktpflege, Vernetzung und Austausch zwischen Teilnehmer:innen bei Präsenzveranstaltungen eine wichtige Rolle spielen.

 

Hohe Zufriedenheit und hoher Zuspruch für E-Mail-Aussendungen

Die Rückmeldungen dazu, wie Betriebsrät:innen Kenntnis zum GPA-Bildungsangebot erlangen, zeigen, dass E-Mailaussendungen hier der vorwiegende Kanal ist:

  • 96 Prozent finden Angebote über den E-mail-Newsletter der GPA-Bildungsabt.,
  • 29 Prozent auch via Website, 13 Prozent über SekretärInnen der GPA-Landesstellen,
  • 14 Prozent über Empfehlungen anderer Betriebsrät:innen.

Die hochgradig positiven Bewertungen (zu Häufigkeit und Länge) der E-Mailaussendungen zeigen, dass dieser Kanal sehr gut funktioniert.

  • Generell ist die Zufriedenheit mit den GPA-Bildungsangeboten sehr hoch. Abgefragt wurden Inhalte, Info-Kanäle und die Qualität der Trainer:innen.
  • Die Noten bewegen sich zwischen 1,4 und 1,6 auf der vierstufigen Skala.
  • In den Anmerkungen kommen Lob und Unterstützung vor Kommentaren zu leider ausgebuchten Angeboten, vereinzelte Wünsche nach mehr Angeboten in den Bundesländern sowie konkreten Wünschen und Anregungen.

 

Wie sieht der Bedarf nach Themen für BR-Weiterbildung aus?

Mit Abstand sind Arbeits-/Sozialrecht der wichtigste Inhalt, gefolgt von Praktischer Betriebsratsarbeit, an dritter Stelle Gesundheit und ArbeitnehmerInnenschutz. Die nächsten inhaltlichen Kategorien bewegen sich in vergleichbaren Rahmen.

  • Spannend ist, dass Themeninteressen merkbar vom Geschlecht beeinflusst scheinen. Angebote zur Praktischen Betriebsratsarbeit und zur Gesundheit am Arbeitsplatz finden bei Frauen höheres Interesse, jene zu Digitalisierung & Co. mehr bei Männern. 
  • Interessant und wichtig für die Planungsarbeit sind auch die Branchenunterschiede. Im Handel ist etwa der Bedarf an Praktischer Betriebsratsarbeit überwiegend. Gesundheitsberufe nennen etwa einen erhöhten Bedarf an Weiterbildung zu Teamentwicklung und Supervision. In der Elektroindustrie u. a. Sektoren interessieren überdurchschnittlich Datenschutzthemen.

 

Zukunftsmusik: GPA Info-Webinare für Beschäftigte in den Betrieben

Die Umfrage wurde zuletzt auch genutzt, um ein Stimmungsbild bei Betriebsrät:innen zu einer möglichen neuen Dimension unserer Bildungsarbeit in der GPA zu erhalten. Die Abfrage: „Würdet ihr es als Betriebsrät:innen für sinnvoll halten, dass die Gewerkschaft GPA kurze Webinare für die Zielgruppe „Mitarbeiter:innen in den Betrieben“ anbietet, die dann von Betriebsrät:innen beworben werden?“

  • 71 Prozent der Befragten halten das für sinnvoll. Von diesen bewerten 37 Prozent diesen Ansatz sogar als sehr sinnvoll.
  • 21 Prozent halten das für eher nicht sinnvoll und nur 8 Prozent lehnen die Idee ab.

Gefragt, welche Inhalte solche Webinare haben sollten, um Betriebsräte in den Betrieben zu unterstützen, kam

  • neben Arbeitsrecht, Infos zu Arbeitszeit und Lohnverrechnung,
  • die Themen Karenzen und Pensionen sowie auch Gesundheitsthemen,
  • weiters laufenden KV-Verhandlungen,
  • auch zu Geschichte, Struktur, Aufbau und Aufgaben der Gewerkschaft,
  • weitere Nennungen beziehen auch auf gerade aktuell brennende Themen wie etwa Inflation, Heizen und Klima.