Zum Hauptinhalt wechseln

KV Elektro-/Elektronikindustrie: Kein Abschluss nach der zweiten Verhandlungsrunde

BetriebsrätInnen-Konferenz am 25. April: Vorsorglicher Beschluss von Maßnahmen in den Betrieben direkt vor nächster Verhandlungsrunde
Team von Wissenschaften und Ingenieuren
AdobeStock, Gorodenkoff Productions OU

Die diesjährige industrielle Frühjahrslohnrunde wurde am 4. April mit den Kollektivvertragsverhandlungen für die mehr als 60.000 Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie (EEI) fortgeführt. Diese zweite Gesprächsrunde wurde nach fünf Stunden ohne Ergebnis unterbrochen. Die Fronten zwischen den Sozialpartnern sind verhärtet: Die Arbeitgeberseite ist nicht bereit, in angemessener Weise auf die gewerkschaftlichen Forderungen einzugehen. Daher werden die Gewerkschaften PRO-GE und GPA den Druck nun erhöhen und gemeinsam mit den BetriebsrätInnen am 25. April bei einer österreichweiten Konferenz vorsorglich Maßnahmen beschließen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 26. April vereinbart.

Vorsorglicher Beschluss für Betriebsversammlungen

"Wir bleiben bei unserer Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt. Sollte es in der nächsten Verhandlungsrunde keine Fortschritte geben, werden wir in den Betrieben die Belegschaften informieren und zur Unterstützung der Kollektivvertragsverhandlungen aufrufen, um so gemeinsam unsere berechtigten Forderungen durchzusetzen", betont Rainer Wimmer, Chefverhandler der PRO-GE.

Hohe Gewinnausschüttungen, hohe Arbeitsbelastungen

Die Gewerkschaften verweisen erneut auf die wirtschaftlichen Höhenflüge der Branche im zurückliegenden Jahr und auf das weiterhin zu erwartende Wirtschaftswachstum für 2022. "Der heimischen Elektro- und Elektronikindustrie geht es gut, es gibt keinen Mangel an Arbeit und Aufträgen. Die Gewinnausschüttungen in den letzten Monaten waren jedenfalls sehr hoch, genauso die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten. Daher sind jetzt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an der Reihe", sagt Karl Dürtscher, Chefverhandler der GPA.

Steigende Inflation belastet Einkommen

Eine große Rolle spielt in den aktuellen Verhandlungen die außergewöhnlich hohe Inflation. "Die Preissteigerungen bei Energie, Sprit, Wohnen und Nahrungsmitteln sind hoch. Der Wocheneinkauf wird immer teurer, die Rechnungen für Strom und Heizung belasten das verfügbare Einkommen, darum muss es heuer einen besonderen Abschluss geben. Dies müsste auch im Interesse der Arbeitgeber sein, denn kräftigte Lohn- und Gehaltserhöhungen stärken die Kaufkraft und kurbeln die Gesamtwirtschaft an", sagen Wimmer und Dürtscher. Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale sehen die Gewerkschafter in Einklang mit den meisten Wirtschaftsforschern hingegen nicht.

Der neue Kollektivvertrag für die EEI soll ab 1. Mai gelten. Die für die Verhandlungen relevante Inflationsrate – rollierender Durchschnitt der letzten zwölf Monate – liegt derzeit bei 3,5 Prozent.