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Sicher ohne Gewalt im Job!

Gewerkschaft GPA präsentiert IFES-Befragung zu Gewalt und Aggression am Arbeitsplatz
Erschöpfte Krankenschwester
Vladimir Fedotov, unsplash

Gewalt und Aggression kommen in allen Lebensbereichen vor, auch am Arbeitsplatz. Gewalt beginnt nicht erst mit direkten körperlichen Übergriffen. Sie beginnt schon viel früher mit verbalen Übergriffen und Belästigungen. Bedingt durch Pandemie und Personalknappheit wurden wir als Gewerkschaft GPA in den letzten beiden Jahren im stärkeren Ausmaß als zuvor von Mitgliedern und BetriebsrätInnen mit dem Thema und den Erfahrungen von Gewalt und Aggression konfrontiert, insbesondere im Handel und im Gesundheits- und Sozialbereich.

Deshalb hat die Gewerkschaft GPA das Meinungsforschungsinstitut IFES beauftragt, die Entwicklung von Gewalt und Aggression am Arbeitsplatz in den letzten beiden Jahren genauer zu untersuchen. Befragt wurden 1.000 unselbständig Beschäftigte (ohne Hoheitsverwaltung).

Arbeitsdruck und Personalmangel als Konfliktverstärker

Klares Ergebnis: Arbeitsdruck und Personalmangel wirkten als Konfliktverstärker. Über 60% der Befragten gaben das an. Am ausgeprägtesten ist diese Tendenz im Bereich Gesundheit, Pflege, Soziales sowie im Handel (70%). Frauen und Jüngere sind in größerem Ausmaß von verbaler Gewalt betroffen.

Bei der Frage nach den Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt am Arbeitsplatz zeigt sich, dass in Betrieben mit Betriebsrat deutlich öfter Maßnahmen wie organisatorische Vorkehrungen, Schulungsmaßnahmen, Supervision getroffen werden. Mit einer eigenen Broschüre wenden wir uns an BetriebsrätInnen, die einen wichtigen Beitrag leisten können, Gewalt und Aggression im Unternehmen zu vermeiden.

Verantwortung der Arbeitgeber

ArbeitnehmerInnen verdienen Respekt und müssen bei ihrer Tätigkeit vor allen Formen der Gewalt geschützt werden. Die Verantwortung dafür trägt der/die ArbeitgeberIn. Er/Sie trifft die Verpflichtung, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.

Eine sichere Arbeitsumgebung spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die Berücksichtigung der Gewaltprävention bei der Planung von Arbeitsabläufen und der Arbeitsorganisation.

Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit den BetriebsrätInnen und mit allen AkteurInnen im betrieblichen Gesundheitsschutz (insbesondere mit ArbeitsmedizinerInnen, Sicherheitsfachkräften, Sicherheitsvertrauenspersonen, ArbeitspsychologInnen u.a.).

Bei der Prävention von Gewalt am Arbeitsplatz gibt es keine Maßnahmen, die immer passen und für jeden Betrieb und jede Tätigkeit die richtigen sind. Vorkehrungen müssen auf die jeweiligen Gegebenheiten und Risikopotenziale abgestimmt werden. Es handelt sich um technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen.

Die IFES-Daten haben auch gezeigt, dass Bereiche mit KundeInnenkontakt (Gesundheit und Pflegebereich, Handel), in denen Stress und Überlastung in den letzten Jahren deutlich stärker geworden sind, in größerem Ausmaß von Gewalt und Aggression betroffen sind.

Mehr Personal und Ressourcen

Im Handel appelliert die Gewerkschaft GPA an die Arbeitgeber, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Neben einer verbesserten Arbeitszeitqualität braucht es eine bessere Personalausstattung und höhere Gehälter.

Im Gesundheits- und Pflegebereich muss die öffentliche Hand einen wichtigen Beitrag leisten, indem ausrechend finanzielle Mittel und Ressourcen für mehr Personal bereitgestellt werden.

Wir ermutigen betroffene ArbeitnehmerInnen Gewalt am Arbeitsplatz in welcher Ausprägung auch immer nicht hinzunehmen. Unterschiedliche Gewalterfahrungen erfordern durchaus unterschiedliche Strategien. Wichtig ist, Hilfe zu suchen und Vorgesetzte bzw. Betriebsrat zu informieren.

Auf der Internetseite gpa.at/sicher-ohne-gewalt haben wir rechtliche und individuelle Ratschläge für die unterschiedlichen Gewalterfahrzungen zusammengefasst.

An die KundInnen appellieren wir, gegenüber den Beschäftigten mehr Respekt aufzubringen.