Mind the Gap!
Wie Passagiere die Spalte zwischen Bahnsteig und Londoner UBahn müssen auch Frauen ihre Einkommenslücke im Auge behalten und im Bedarfsfall dagegen aktiv werden. So wie Lore. Wir haben der fiktiven Frau unseren Equal Pay Day-Folder 2026 gewidmet und erzählen darin ihre Geschichte und ihren Kampf gegen diskriminierende Einkommensunterschiede.
Lores Geschichte
Lore beginnt mit 15 Jahren eine Lehre zur Bürokauffrau bei einer Bank. Mit 18 Jahren schließt sie die Lehre ab und bleibt im Unternehmen. In der Abteilung Treasury arbeitet sie Vollzeit und erhält ein All-in-Gehalt von 4.000 Euro brutto. Der Vertrag enthält keinen genau festgelegten Anteil für Mehr- oder Überstunden.
Babypause
Fünf Jahre später bekommt Lore ein Kind. Sie bleibt bis zum vollendeten ersten Lebensjahr ihres Sohnes in gesetzlicher Karenz. Während dieser Zeit bezieht sie einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld. Danach kehrt sie als alleinerziehende Mutter mit 30 Wochenstunden in Elternteilzeit zurück. Die Arbeitgeberin will ihr Gehalt nicht einfach auf 30 Stunden aliquotieren, sondern erst einen Anteil für zehn Überstunden herausrechnen und das verbleibende Gehalt auf 30 Stunden reduzieren.
Lore setzt sich zur Wehr
Lore wendet sich an den Betriebsrat und an die Gewerkschaft GPA. Sie erfährt, dass ein nicht klar bestimmbarer Überstundenanteil bei ihrem All-in-Vertrag nicht einfach herausgerechnet werden kann. Außerdem nutzt sie ihr Auskunftsrecht nach der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, denn obwohl diese noch immer nicht in österreichisches Recht umgesetzt wurde, ist sie in einigen Punkten anwendbar. Die Auskunft durch die Arbeitgeberin zeigt ein nicht erklärtes geschlechtsspezifisches Entgeltgefälle in ihrer Abteilung. Bei Lores männlichen Kollegen wurden die Überstunden für die Berechnung des Gehalts in der Elternteilzeit nämlich nicht herausgerechnet, da die Arbeitgeberin bei Männern auch in der Elternteilzeit mit mehr Flexibilität rechnet. Lore akzeptiert diese Begründung nicht.
Gerechtigkeit durchgesetzt
Die Arbeitgeberin lenkt schließlich ein. Lore erhält ihre Elternteilzeit ohne die zusätzliche Gehaltskürzung. So steigt nicht nur ihr laufendes Einkommen, sondern auch ihre laufenden Sozialversicherungsbeiträge und die künftigen Pensionsgutschriften.